Die behindertengerechte Stadt
Historische Bausubstanz und Behindertengerechtigkeit
Es gibt mehr Bewegungseingeschränkte in unserer Gesellschaft als manche glauben. Die Olympiade für Behinderte, die „Special Olympics“, von Arnold Schwarzenegger aktiv gefördert, war sicher ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Bewusstwerdung dieses Problems. An den Rollstuhl Gefesselte, Blinde oder Sehbehinderte waren früher eher „ausgeblendet“, wurden in der Öffentlichkeit nicht gezeigt beziehungsweise zeigten sich dort nicht. Es wurde ihnen auch schwer gemacht. Zu viele Barrieren – psychologische und räumliche – waren zu überwinden.
Heute bemüht man sich zunehmend, Barrieren abzubauen; es wird viel dafür getan, dass Bewegungseingeschränkte und Sehbehinderte sich trotz ihrer Probleme möglichst ohne fremde Hilfe auch in der Öffentlichkeit bewegen können. Viele neue öffentliche Verkehrsmittel werden inzwischen so konstruiert, dass nahezu eben hineingefahren werden kann. Es werden Blindenleitsysteme in den Bodenbelag gefräst. Bei U-Bahnen und anderswo baut man Lifte und Rampen neben Treppen, die Niveaugrenzen überwinden helfen.
Manche meinen, es sei schon zu viel für Behinderte getan worden, andere sagen, es müsse noch wesentlich mehr sein. Forderungen nach der behindertengerechten Erschliessung der Alpenwelt und jedes noch so einzigartigen Denkmals werden sicher nicht erfüllt werden können; hier ergeben sich Grenzen in mehrfacher, in kultureller, technischer und finanzieller Hinsicht. Es muss sicher auch um Verständnis dafür bei Behinderten geworben werden. Andererseits sollte sich jeder Unbehinderte über seinen Zustand glücklich schätzen und vor Augen führen, dass auch er jederzeit unverschuldet oder verschuldet in den Zustand einer Behinderung geraten kann. Unfälle, Augenkrankheiten und Schlaganfälle können sehr plötzlich zu einer völlig anderen Sicht der Welt führen. Wer möchte dann, wenn es anders geht, ständig auf andere angewiesen sein?
In historischen Stadtzentren gibt es Denkmale, die so einzigartig sind, dass man sie nicht verändern darf und für Behinderte adaptieren kann. Hier wird man andere Wege der Erschliessung finden müssen. Freitreppen an vielen Highlights der Baukunstgeschichte oder deren Innentreppen kann man nicht umbauen. Hier werden Behinderte akzeptieren müssen, dass nicht alles möglich ist. Es kann noch viel getan werden. Kompromisse wird man meist dabei eingehen können. Viele der geforderten Massnahmen kommen ausserdem auch älteren Menschen oder Müttern mit Kinderwagen entgegen.
Die Tendenzen für die Art der Lösungen bei der Adaptierung von historischen Bauten können von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. Sind es in Österreich eher die als neuzeitliche Accessoires deutlich ablesbaren Ergänzungen, so sieht man in Grossbritannien die Lösung eher in historisierenden Architekturattributen.
Hasso Hohmann
Helmut Strobl S. 1
DIE BEHINDERTENGERECHTE STADT
Gerlinde Hohenester S. 2
BARRIEREFREIES BAUEN IN GRAZ
Kurt Ackermann S. 5
BEHINDERTENGERECHTE VERKEHRSANLAGEN IN HISTORISCHEN STADTBEREICHEN
Peter Schnell S. 6
BEHINDERTENGERECHTIGKEIT IN INGOLSTADT
Lisa Foster S. 7
ACCESS TO THE HISTORIC ENVIRONMENT
Friedrich Bouvier S. 8
BEHINDERUNG DER BEHINDERTEN DURCH DEN DENKMALSCHUTZ?
Sebastian Ruppe S. 9
BARRIEREFREIHEIT STATT HILFELEISTUNG
NEUE GEFAHREN FÜR HISTORISCHE ZENTREN 4. Folge
Bernhard Lösch S. 10
– Südtirol. Über die Liberalisierung der urbanistischen Gesetzgebung
– Darmstadt, Deutschland. Im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört
Milos Kruml S. 13
– Wien, Österreich. Gleichgewicht zwischen Stadterhaltung und Stadtentwicklung
Peter Schanger S. 13
-Innsbruck, Österreich. Geschützte Zonen seit 1976
Karl Pühringer S. 15
– Villach, Österreich. Aktivierung der urbanen Funktionen
Martin Pitscheider S. 16
– Kapfenberg, Österreich. Ortsbildkonzept seit 1983
Gottfried Schuh S. 17
– Klosterneuburg, Österreich. Altstadt = Herzeigestadt
Michael Schmid S. 18
REVITALISIERUNG IN DER STEIERMARK
Max Mayr S. 22
DIE BAUERN NICHT DEM WELTMARKT OPFERN!
Kay Krüger S. 23
DENKMALSCHUTZ UND DENKMALPFLEGE IN DEUTSCHLAND DURCH PRIVATE FÖRDERER
Peter Laukhardt S. 24
LUZERN: DER VIELLEICHT BESTE KONZERTSAAL DER WELT
MOSAIK S. 25
Hasso Hohmann S. 27
GEDANKEN ZUR INTEGRATION EUROPAS
REZENSIONEN S. 28
Redaktion S. 33
TRÖPFERLBAD WIRD MUSEUM DER WAHRNEHMUNG

