UNESCO-Weltkulturerbe: eine Diskussion
Sind die UNESCO und internationale Regelwerke obsolet?
Der ambitionierte Aufbruch zum Stop des Abbruchs der noch verbliebenen Reste historischer Bauten und Ensembles fand in den späten 60er und 70er Jahren des 20. Jh. statt. Damals wurde viel Motivationsarbeit über die Medien geleistet, nachdem die Bomben des 2. Weltkrieges unendlich viel an Zerstörung gebracht hatten und danach im Erneuerungswahn noch einmal mehr als zweimal so viel an historischer Bausubstanz zusätzlich verlorgen gegangen war. Jeder musste sich mit der Thematik auseinandersetzen, ob er wollte oder nicht – die Zeitungen, das Fernsehen und der Rundfunk berichteten sehr oft darüber. Auch das ISG hatte seinen Anteil daran.
Heute, eine Generation später, kommen junge Leute in Führungspositionen, die noch nie etwas von dieser Thematik gehört haben. Investoren wollen Geld machen und üben starken Druck aus, so manchen fehlen trotz eines Unbehagens die Argumente. Der Ersatz wertvoller Bauten ist nicht mehr tabuisiert – wie der Abbruch eines Barockhauses in der Grazer Altstadt 2003 zeigte. Hochhäuser in oder nahe bei historischen Ensembles werden nicht mehr auf ihre Ensembleverträglichkeit kritisch untersucht – wie die Diskussion um das Projekt Wien Mitte drastisch demonstrierte.
Die Artikel des Architekturkritikers Friedrich Achleitner in der Wiener „Presse“ mit ihrer Absage an UNESCO_Weltkulturerbe und Regelwerke zur Vermeidung der ärgsten Hässlichkeiten im Allgemeinen sowie der Aufruf zur völligen Freiheit in der Architektur spiegeln die Stimmung in der Szene. Dies soll in diesem Heft zum Anlass genommen werden, eine neuerliche Diskussion anzuregen. Es werden daher der Beitrag Achleitners und auch die Reaktion von UNESCO, ICOMOS, Bundesdenkmalamt und Universitäten sowie die des ISG und von ENA in diesem Heft abgedruckt. Wir rufen dazu auf, uns Ihre Meinung zum Thema zu übermitteln. In der nächsten Nummer des ISG-Magazins werden wir die interessantesten Stellungnahmen und Kommentare ganz oder in Auszügen abdrucken.
Hasso Hohmann

Friedrich Achleitner S. 2
WAS HEISST SCHON „WELT“
Gabriele Eschig/Wilfried Lipp/Wilfried Posch/Robert Schediwy/Mario Schwarz S. 5
NIEDER MIT FISCHER VON ERLACH?
EIN APELL AN FRIEDRICH ACHLEITNER
Hasso Hohmann S. 6
EINE CHANCE FÜR NEUE IDENTITÄTEN
EUROPA NOSTRA – EUROPEAN UNION PRIZE FOR CULTURAL HERITAGE S. 10
Shahdan A. Shabka/Zeinab Y. Shafik S. 12
UPSTAIRS – DOWNSTAIRS. THE SOCIAL STRUCTURE OF REALITY IN DOWNTOWN CLASSICAL CAIRO
Thomas Sieverts S. 14
DIE QUALIFIZIERUNG DER ZWISCHENSTADT
REVITALISIERUNG IN DER STEIERMARK S. 18
MOSAIK S. 21
Hasso Hohmann S. 24
REKONSTRUKTION DER POTSDAMER GARNISONSKIRCHE
REZENSIONEN S. 25
