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Die Altstadt aktivieren. Wohnbauten von Architekt Christian Andexer im UNESCO Welterbe Graz!

…aus dem Programm:

Eine ähnliche Zielsetzung in anderem Kontext: Auch bei Interventionen in der historischen Altstadt geht es darum, heutige Wohnbedürfnisse in urbaner Enge zu realisieren. Sowohl aus Architekten- als auch aus Investorensicht stehen hier Pluspunkte wie Lagegunst und kultureller Reichtum einer oft schlechten Bausubstanz und schlecht belichteten und gelüfteten Räumen gegenüber. „Niemand will mehr so wohnen wie vor 200 Jahren. Für mich war es die größte Auszeichnung, diese Situation wieder in zeitgemäßen Wohnraum verwandeln zu können“, sagt Architekt Christian Andexer über seinen Wohnbau Sporgasse in Graz. Das denkmalgeschützte Ensemble aus Vorderhaus und zwei Hinterhäusern in der ältesten Gasse der Stadt, direkt unterhalb des Schlossbergs, stand leer und musste von Grund auf revitalisiert werden. Dies gelang, neben der Restaurierung der Substanz, durch gezielte neue Öffnungen und einen neuen Lichthof, einen Dachausbau mit „Schmetterlingsgaube“ und die Umwandlung eines funktionalen Nachteils – der enormen Trakttiefe im Vorderhaus – in den räumlich-atmosphärischen Vorteil besonders zugeschnittener Wohnungen.

Als EU-Experte für das UNESCO-Weltkulturerbe Graz, Verfasser des „Masterplan World Heritage Graz“ und Mitglied in mehreren Altstadtkommissionen sind sensible Interventionen in der Altstadt für Christian Andexer Kernaufgabe und Mission. Seine grundlegende Haltung ist nicht die einer reinen Rekonstruktion, sondern eines aufmerksamen und wissenden „Lesens“ der Stadt, welches das Fortschreiben der Geschichte erst ermöglicht. Exemplarisch gelang ihm dies beim Wohnbau Griesgasse, bei dem Neubau und sanierter Altbau gleichwertige Teile eines Gesamtensembles sind, welches sich als „Pioniergewächs“ im migrantisch geprägten Stadtteil Gries versteht. Ein Projekt, das von Beginn an einen baukulturellen Glücksfall darstellte, denn hier hatten die Bauherren der zwei benachbarten Grundstücke einen gemeinsamen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Durch die Zusammenlegung der Grundstücke reduzierten sich die baurechtlichen Einschränkungen, und Andexer nutzte diese Freiheiten für ein Arrangement von Alt und Neu, das ein Optimum an Belichtung und Privatheit im engen Rahmen realisiert. Die Maisonetten im hofseitigen Trakt orientieren sich zu fast südländischen, versteckten Atrienhöfen, und wie schon in der Sporgasse wurden die Graz-typischen Laubengänge nicht nur zur Erschließung, sondern auch als verbindendes Element eingesetzt, das die einzelnen Bauteile vernäht. Der Neubau zur Straße steht mit seinen vorgestellten leichten Metallpergolen sowohl selbstbewusst als auch kontextbewusst in der Baulücke und formuliert gemeinsam mit dem Altbau ein vorbildhaftes Statement.

 

Zu hören im Livestream im Block „Wohnen“ am Samstag 06.03.2021 ca. um 13:15h!

Livestream

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