Neues Bauen in alter Umgebung

Magazin 2002/3

Bauen im historischen Ensemble

Immer wieder wird die „Gute Alte Zeit“ beschworen, in der alles besser war. So auch in der Ensemble-Bildung in unseren Städten und Dörfern. Heutige Architektur passt weniger gut zum bestehenden Ensemble als historische Bauten zu ihrer damals älteren Nachbarschaft!?

Vielfach dürfte es heute die Patina sein, die sehr oberflächlich betrachtet als Bindeglied zwischen den älteren Bauten aus unterschiedlichen Zeiten wirkt und Ensembles zusammenhält. Meist aber wird ungenau und selektiv betrachtet. Hässliches wird ausgeblendet, verdrängt. Ausserdem ist der Gewöhnungsfaktor ein sehr wichtiges Kriterium. Ungewohntes Neues – das, was noch nicht bewohnt war – stört. Das ist ein zutiefst subjektives Beurteilungskriterium, das auch einen Massstab für die Bereitschaft des Kritikers abgibt, sich mit Architektur überhaupt zu beschäftigen.

Objektiv gibt es wohl nur einen Gestaltungsfaktor, der fast allen historischen Bauten gemeinsam ist und fast allen heutigen als störend empfundenen Bauten fehlt: Die Symmetrie. So, wie der Mensch innen asymmetrisch und äusserlich annähernd symmetrisch geformt ist, so sind auch die meisten historischen Bauten mit symmetrischen Fassaden ausgestattet.

Eine symmetrisch gestaltete Fassade ergibt selbst im engen Nebeneinander geschlossener Häuserzeilen einzelne, in sich abgeschlossene, auf sich konzentrierte Objekte. Die freien Fassadengestaltungen unserer Zeit hingegen korrespondieren meist stärker mit ihrer Nachbarschaft, greifen aus und erfordern ein wesentlich höheren Mass an gestalterischer Sensibilität im Umgang mit ihrer Umgebung. Dies wird und wurde vielfach von Planern nicht geleistet. Wie weit es dem Architekten gelingt, in einer zeitgemässen Formensprache in einen Dialog mit der architektonischen bestehenden Nachbarschaft seines Planungsobjektes zu treten, darf wohl als ein objektives Kriterium zur Beurteilung der Ensemblehaftigkeit bezeichnet werden.
Hasso Hohmann

Hasso Hohmann  S. 2
ALTES BAUEN IN ÄLTERER UMGEBUNG

Redaktion/HH  S. 4
WAS NICHT GEMEINT IST

Hasso Hohmann  S. 6
NEUES BAUEN IN ALTER UMGEBUNG

Grigor Doytchinov  S. 12
DAS NEUE ZENTRUM KRAKAU. STÖRFAKTOR ODER UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE HISTORISCHE ALTSTADT?

REVITALISIERUNG IN KLOSTERNEUBURG  S. 15

Wolfgang Rohrbach  S. 16
VERBINDUNG VON TRADITION UND FORTSCHRITT

Oliver Weickenmeier  S. 19
SPEYER. KULTURHOF FLACHSGASSE

Peter Laukhardt  S. 20
WISMAR – JUNGE WELTERBESTADT AN DER OSTSEE

Redaktion  S. 22
DAS EUROPA-NOSTRA-AWARDS-ARCHIV

Anja Pinkes  S. 24
MULTIFUNKTIONALES VERANSTALTUNGSAREAL. DIE EHEMALIGE SEIFENFABRIK LETTNER IN GRAZ

Theres Friewald-Hofbauer/Christa Glatz  S. 26
EUROPÄISCHER DORFERNEUERUNGSPREIS 2002

REVITALISIERUNG IN DER STEIERMARK  S. 28

MOSAIK  S. 30

REZENSIONEN  S. 34

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