Kathedralen unserer Zeit

Magazin 2009/2

„Industriearchitektur als Kathedralen der Arbeit „(Hermann Sturm)

Industriedenkmäler und – kultur im Blickpunkt des Tourismus

Das Wort Denkmal lässt in erster Linie sakrale Bauten wie Kathedralen und Kirchen oder prunkvolle Gebäude wie Schlösser assoziieren. Fabrikhallen und Produktionswerkstätten gelten vielfach als urbane Schandflecken.

Doch schon in den 60er Jahren erkannte das Künstlerehepaar Hilla und Bernd Becher den kulturellen Wert solcher Industrieanlagen und begann diese fotografisch zu dokumentieren. Mit ihrer Kamera hielten sie Fachwerkhäuser, Industrieanlagen im Ruhrgebiet, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Großbritannien und den USA, aber auch Wassertürme und Gasbehälter als Kunstwerke fest.

Während der Stahl- und Kohlekrise der 70er und 80er Jahre fotografierten sie viele Bauwerke, die kurz darauf für immer verschwanden. Durch ihre Fotografien gaben sie den Anstoß, Industriebauten aus einer anderen Perspektive, nämlich als Industriedenkmäler und als Zeitzeugen einzelner Epochen, zu sehen.

Dieser neue Blickwinkel führt zur Fragestellung, ob nicht Industriebauten, die den Arbeitsalltag früherer Zeiten widerspiegeln, denselben Stellenwert für eine touristische Nutzung haben sollen wie prunkvolle historische Bauten. Viele Schaubergwerke gelten als in diesem Sinne best practice für die touristische Nutzung von Industrieanlagen. Und gerade diese touristische Nutzung und Vermarktung dient letztendlich dem Erhalt dieser Denkmäler in ihrer (nahezu) ursprünglichen Form.

Im städtischen Lebensraum hingegen ist eine andere Art der Kreativität gefragt, um die für den einen oder anderen „lästig“ gewordenen Industriebauten für die Nachwelt zu erhalten. In Wien ist dies durch eine aufwendige Revitalisierung der Gasometer – ursprünglich 1899 erbaute Gasbehälter – zu einem lebendigen, modernen Wohnbau auf eindrucksvolle Weise gelungen.

Vielleicht können noch viele „Kathedralen der Arbeit“ durch eine touristische Nutzung für die nächsten Generationen erhalten werden. Diese Ausgabe des ISG-Magazins soll einen Denkanstoß dazu liefern.

Mag. Elisabeth Udolf-Strobl
Sektionschefin für Tourismus und Historische Objekte
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend

Robert Stalla  S. 2
INDUSTRIEARCHITEKTUR UND TOURISMUS

Friedrich Dahm  S. 8
OTTO WAGNER UND ZAHA HADID

Patrick Schicht  S. 12
KRUPP-STADT  BERNDORF

Michael Rainer  S. 14
SALZ-REICH HALLEIN

Ulrich Stöckl/Johanna Stöckl  S. 17
BERGBAU- UND GOTIKMUSEUM LEOGANG

Barbara Keiler  S. 20
EHEMALIGE TEXTILFABRIK LÜNERSEE

Rainer Adamik  S. 23
SCHLOSS FERLACH

Erik Hilzensauer  S. 26
VERANSTALTUNGSZENTRUM SEIFENFABRIK

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