ISG-Programm 2021

Autor: ISG-Vizepräsident Architekt ETH Niklaus Ledergerber

… 45 Jahre liegt im kommenden Jahr die Gründung des ISG zurück. Die Problematik der Abwanderung aus den Altstädten oder historischen Ortszentren und ihre Folgen für die Stadtsubstanz bildeten damals den Ausgangspunkt zur Gründung eines überparteilichen, europäischen Dokumentationszentrums für historische Städte und Gemeinden. Lärmbelästigung, Luftverschmutzung, veraltete Wohnsubstanz, zu wenig öffentlicher Raum für die Menschen und in jeder Beziehung zu viele Autos, waren damals einige der Gründe für den Niedergang der Altstädte in den späten 1960er und 70er Jahren quer durch Europa. Kommt Ihnen das bekannt vor?

2021 wird hoffentlich als das Jahr des Endes der Corona-Pandemie in die Geschichte eingehen. Die Auswirkungen werden unser Leben, unsere Wirtschaft, unsere Wohnverhältnisse, unser Verständnis von öffentlichem Raum uvm. verändern.

Die Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie hinterlassen deutliche Spuren im Stadtraum. Platzmangel bei Grünflächen und im öffentlichen Raum, beengte Wohnverhältnisse und wenig Freiraum, Leerstand in Geschäften und Wohnungen sind die Folgen, die in den Erdgeschoßzonen offensichtlicher sind als in den Etagen darüber.  Auch in den Shoppingcentern ist Leerstand kein Fremdwort mehr. Große Auslagenflächen sind mit Werbemotiven beklebt. Was in der wertvollen historischen Architektur der Altstadt als flächiger Fremdkörper wirkt, fällt im grellbunten Nebeneinander einer Shopping Mall weniger auf. Aber in beiden Fällen bezeugen sie einen Wandel mit zerstörerischem Impact auf lokale Infrastruktur und Stadtsubstanz.

Das ISG hat in Kooperation mit seinen Mitgliedern und FachautorInnen seit seiner Gründung zahlreiche Projekte und Initiativen gegen den Leerstand vor den Vorhang geholt. Langfristige Veränderungen finden sich in einer Revision jedoch selten. Nicht überall bietet sich die Gelegenheit, durch einen neuen Kulturbau oder durch die Ansiedlung großer Bildungsinstitutionen den Wandel eines Stadtteiles hin zu einem lebendigen Zentrum zu erreichen.  Andere Strategien erschöpfen sich oftmals mit dem Ablauf der Fördermittel und hinterlassen mehr Fragen als Antworten: Wie gehen wir mit der Entleerung der Städte um? Was heißt der Verlust der ertragreichen Ladenflächen für die Rentabilität der Altstadthäuser? Welche Nutzungen kommen nach? Wie gehen wir mit der historischen Substanz um, ist Authentizität und Geschichte noch gefragt oder genügt das Bild (z.B. Rekonstruktion Altstadt Frankfurt)? Urbanes Wohnen liegt im Trend, warum aber nicht so sehr in der Altstadt? Gibt es neue Verkaufsstrategien für den Handel, die mit dem Internet konkurrieren können und den Ortskernen zugutekommen? Müssen wir unsere Altstädte neu erfinden?

Diesem Themenkomplex wollen wir im ISG 2021 nachgehen. Wir werden in den ISG-Magazinen ebenso wie bei einem ISG-Symposium im September regionale und internationale Beispiele vorstellen, die innovativ dazu beitragen, unsere wertvollen Stadt- und Ortszentren weiter zu entwickeln und lebenswert zu erhalten! Wir freuen uns über Ihre Ideen, Anregungen und Beiträge!

Next year will be the 45th anniversary of the ISG. In those days, the problem of migration from old towns or historic centres and its consequences for the urban fabric formed the starting point for the foundation of a non-partisan, European documentation centre for historic towns and municipalities. Noise pollution, air pollution, outdated housing, too little public space for people and, in every respect, too many cars, were some of the reasons for the decline of old towns and cities across Europe in the late 1960s and in the 1970s. Does this sound familiar to you?

2021 will hopefully go down in history as the year that marked the end of the Corona pandemic. As a consequence, the way we live, our economy, our housing, our understanding of public space and much more will change. For the restrictions imposed to combat the pandemic will leave clear traces in urban space. A lack of room in green areas and in public space, cramped housing conditions and little breathing space, vacancies in shops and flats are the consequences that are more obvious on the ground floor zones than on the floors above. Vacancy is no longer a foreign concept in the shopping centres either. Large shop windows are covered with adverts. What appears as a two-dimensional foreign object in the valuable historical architecture of the old town is less noticeable in the garishly colourful juxtaposition of a shopping mall. Both cases, however, bear witness to a change which has a destructive impact on local infrastructure and urban fabric.

Since its foundation, the ISG, in cooperation with its members and specialist authors, has brought numerous projects and initiatives against vacancy levels to people’s attention. However, long-term changes are rarely to be found. Not everywhere does the opportunity offered by a new cultural building or the establishment of large educational institutions transform a district into a lively centre. Other strategies often exhaust themselves with the expiration of funding and leave behind more questions than answers: How do we deal with urban exodus? What does the loss of profitable retail space mean for the profitability of houses in the old towns? Which uses will follow? How do we deal with historical building fabric, are authenticity and history still in demand or is the image sufficient (e.g. reconstruction of Frankfurt’s historic centre)? Urban living is now fashionable but why is this not so much the case in the historic centre? Do new sales strategies for retail businesses exist that can compete with the Internet and benefit the town and village centres? Do we have to reinvent our old towns?

This is the topic that the ISG wants to pursue in 2021. We will present regional and international examples, which will contribute innovatively to the further development of our valuable city, town and village centres and let them continue to be worth living in, in the ISG magazines as well as at an ISG symposium in September! We are looking forward to your ideas, proposals and contributions!

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