Tagungsband 2012 Cover

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Denkmalpflege Architektur Energieoptimierung

Tagungsband 2012

Vorwort Arch. Dipl. Ing. Hansjörg Luser, Geschäftsführender Vizepräsident des Internationalen Städteforums in Graz

Energieoptimierung und Denkmalschutz

Neben der Herausgabe des ISG Magazins ist die Veranstaltung eines jährlichen Symposiums ein zentraler Arbeitsschwerpunkt des Internationalen Städteforums in Graz. Die Zielrichtung liegt dabei auf Themenstellungen, die möglichst aktuell sind, noch nicht breitflächig aufgearbeitet wurden und daher auf eine Erörterung unterschiedlicher Standpunkte warten. Das Thema Energieoptimierung im Denkmalschutz entsprach diesen Kriterien in optimaler Weise und brachte in den verschiedenen Vorträgen und anschließenden Diskussionen so wertvolle Beiträge, dass seitens des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur deren Sammlung in einem Tagungsband angeregt und auch zu wesentlichen Teilen finanziert wurde.

Wenn nun dieser Tagungsband vorliegt, ist in erster Linie den Autoren zu danken, die bereit waren, ihre Beiträge und damit einen wichtigen Wissens- und Erfahrungsschatz kostenlos zur Verfügung zu stellen und diese in den meisten Fällen auch noch zu ergänzen und zu überarbeiteten.

Dank der internationalen Ausrichtung des Städteforums mit den Kontakten zu Mitgliedern vor allem im gesamten deutschsprachigen Raum bietet sich so ein aktueller Überblick über verschiedene Strategien in Deutschland, der Schweiz und Österreich und deren unterschiedliche Ergebnisse. Konkretisiert und nochmals aktualisiert wird das Ergebnis des Symposiums durch die im Anhang zu findende österreichische Energieeffizienz Richtlinie des Bundesdenkmalamtes „Energieeffizienz am Baudenkmal“ und der vom Schweizer Bundesamt für Energie und der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege herausgegebenen „Empfehlung für die energetische Verbesserung von Baudenkmalen aus der Schweiz, wobei in diesem Falle festzuhalten ist, dass diese Empfehlung momentan neu überarbeitet und detaillierter formuliert wird. Dazu findet sich auch noch die von der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Inneren und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege herausgegebene Richtlinie „Energetische Modernisierung und Denkmalpflege“.

Die drei Projektbeispiele wurden angefügt, um den Diskurs über das Thema der Energieoptimierung noch mit weiterem Anschauungsmaterial anzureichern. Die Möglichkeiten der Energieeffizienz-Steigerung unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich des Alters und der Schutzwürdigkeit der historischen Bauwerke, sondern hängen auch wesentlich von ihrer Lage und Bauweise ab. Sie zeigen auf unterschiedliche Weise, dass mögliche Ansätze nicht zu eng gesteckt werden sollten.

Vorwort Bruno Maldoner

Für die Behebung von Schäden und Defiziten bei Denkmalen fordert die 1964 erarbeitete „Charta von Venedig“, das von der internationalen Fachwelt weithin akzeptierte Regelwerk der Denkmalpflege, in erster Linie die Anwendung über lange Zeit erprobter, traditioneller Techniken. Erst wenn sich deren Einsatz als unzureichend erweisen sollte, dürfen moderne Methoden herangezogen werden, vorausgesetzt dass deren Wirksamkeit „wissenschaftlich nachgewiesen und durch praktische Erfahrung erprobt ist.“

Generell ist folglich für das Problemfeld „Einbringung neuer Technologien in alte Bauten“ zu verlangen, dass durch den Einsatz neuer Technologien und Materialien bei historischen Bauten aktuelle Defizite oder/und Schäden behoben und zukünftige vermieden werden sollen. Soweit besteht Übereinstimmung.
Die erste Bedingung für den Einsatz im Altbau verlangt, dass die Wirkungsweisen von Materialien, Phänomenen, Prozessen und deren Auswirkungen im Mikro- und Makrobereich zur Gänze bekannt und verstanden sein müssen und dass das Wissen darüber als gesichert angesehen werden kann.
Die zweite Bedingung zielt langfristig auf die Zukunft. Demnach müssen Auswirkungen und Verhalten der originalen Materialien wie auch der zugefügten neuen Baustoffe über lange Zeiträume sicher prognostiziert werden können.

Um die erste der beiden Bedingungen zu erfüllen, bedarf es fallweise komplexer, schwieriger und teurer Nachweise.
Die Erfüllung der zweiten Bedingung im Sinn des „test of time“, ist vorwiegend durch Experimente mit Zeitraffung nachzuweisen. Um für das Erkennen der Auswirkungen der maßgebenden Faktoren auf die Baustoffe nicht 100 Jahre warten zu müssen, greift man auf Methoden zurück, welche Beobachtungen im Zeitraffer ermöglichen. Derartige Untersuchungen bauen auf der Annahme auf, dass Alterungsvorgänge durch spezielle Versuchsanordnungen beschleunigt werden können, wobei alte und neue Materialien vorerst getrennt und dann in der vorgesehenen Kombination untersucht werden. Üblicherweise werden dafür die einzelnen Faktoren der Einwirkung intensiviert. Das kann zum Beispiel durch die Erhöhung beaufschlagter Schadstoffmengen und Einwirkungstemperatur, durch Intensivierung des Strahlungsklimas oder durch gesteigerte Luftdruck- oder Feuchtigkeitsgradienten geschehen. Normalerweise werden die Umweltbedingungen durch die Faktoren Temperatur, Luftdruck, UV-Strahlung, Lichtintensität und relative Feuchtigkeit charakterisiert.
Bei der Beurteilung der Auswirkungen ist nach Schäden zu differenzieren, die durch simple Alterung auftreten, in solche aus eingebrachten schädlichen Substanzen und in solche, welche aus den Auswirkungen von Umweltbedingungen auf das Material resultieren.
Mit unserem Wissen über Auswirkungen und dem Verständnis von Faktorenkombinationen in unseren Ballungsräumen dürften wir über weite Bereiche erst am Anfang stehen . Wie wirken sich chemische und biologische Faktoren in Kombination mit beispielsweise Klimaveränderungen aus? Wie reagieren unsere traditionellen Baustoffe und wie die neu eingebrachten unter derartigen grundlegenden Veränderungen im tatsächlichen Einsatz? Ab welchem Punkt scheiden sich die Geister?

Bei den meisten Eingriffen, welche derzeit bei Bauten aller Altersstufen und Kategorien unter dem Titel „Thermische Sanierung“ aus akuten volkswirtschaftlichen Zwängen gemacht werden, fehlt für viele eingesetzte Baustoffe und deren Kombination die Langzeit-Erprobung, es mangelt am „test of time“. Wir wissen wenig darüber, wie sich Veränderungen auf den Bestand tatsächlich auswirken, abgesehen von der Beobachtung, dass der betroffene Baubestand durch die Einbaumaßnahmen in vielen Fällen schwer geschädigt wird. Des Weiteren fehlt vielfach der wissenschaftliche (und wohl auch ökonomische und ökologische) Nachweis über eine nachhaltige Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen. Wo und wie lassen sich Vorbilder für Lösungen finden?

Die hier vorgelegte Publikation vom Symposium 2010 will der beunruhigenden Erkenntnis über Defizite einige Beobachtungen und „best practice“-Beispiele entgegensetzen.

Nachwort Mag. Siegfried Nagl, ISG-Präsident und Bürgermeister der Landeshauptstadt Graz

Als Bürgermeister einer dynamisch wachsenden Stadt mit einem gut erhaltenen mittelalterlichen Kern, Zeugnissen von Renaissance und Barock und vor allem ausgedehnten Gründerzeitquartieren sind mir Zielkonflikte zwischen Denkmalschutz und energetischer Optimierung vertraut.

Wir sind einerseits verantwortlich für den Erhalt und die behutsame Weiterentwicklung des baukulturellen Erbes; das äußert sich neben dem klassischen Denkmalschutz etwa in einem in den Bauverfahren durchaus wirkungsvollen Landesgesetz (Grazer Altstadterhaltungsgesetz) mit mehreren Durchführungsverordnungen oder in einem Management-Masterplan für die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Stadtteile.

Gleichzeitig verdankt Graz seiner landschaftlich reizvollen Beckenlage nicht nur sein südliches Klima, sondern leider auch hohe Luftschadstoffkonzentrationen, so dass die Reduktion des Energieverbrauches, auch für Raumheizungszwecke, ein Gebot der Stunde ist – nicht nur aus globaler Verantwortung, sondern auch im Sinn der Gesundheit der Bevölkerung.

Es freut mich, dass sich die Fachwelt ernsthaft mit diesen divergierenden Ansprüchen befasst und den Versuch unternimmt, sie „unter einen Hut zu bringen“. Ich wünsche dem vorliegenden Werk einen breiten und aufgeschlossenen Leserkreis; es sei eine gern angenommene Richtschnur für die Praxis und ein wertvoller Beitrag im fachlichen Diskurs!

Vorwort S. 6

Energieeffizienz am Baudenkmal: Die Energieeffizienzrichtlinie des Bundesdenkmalamts
Johannes Sima S.10

Sanieren Sie doch Ihr Haus noch heute Abend! zum Energiediskurs in der Schweiz
Niklaus Ledergerber S.18

Überlegungen zur Energieeffizienz von denkmalgeschützten Gebäuden
Ardeshir Mahdavi S.24

Denkmalpflege und Energiesparen
– Untersuchung an denkmalgeschützten Altbauten in Liechtenstein
– Untersuchungen an Kirchen in der Schweiz
Ernst Baumann S.32

Energieeffizienz in historischen Objekten
Claudia Paul / Gerhard Kaindl S.50

Reaktivierung des natürlichen Lüftungssystems im Corps de Logis (Hofburg Wien)
Helmut Heninger S.56

Sanierung alter, denkmalgeschützter Gebäude auf Aktivhaus-Standard?
denkMALaktiv S.60

Hauptverwaltung Energie Steiermark – »E-Office«
ISG S.64

Denkmalschutz und Energieeffizienz auf Konversionsflächen St. Barbara-Siedlung in Darmstadt
Dieter Wenzel S.68

Zanklhof Graz – Revitalisierung und Energieeffizienz im historischen Bestand
Dietmar Koch / Rudolf Leitner S.74

Anhang S.83
– Richtlinie Energieeffizienz am Baudenkmal, Österreich
– Energetische Modernisierung und Denkmalpflege, Bayern
– Energie und Baudenkmal – Empfehlungen für die energetische Verbesserung von Baudenkmälern, Schweiz

Nachwort
Siegfried Nagl S.156

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