Neue Funktionen für alte Industrieregionen

Magazin 1995/3a

Retten wir auch das industrielle Erbe

Seit Anfang der 70er Jahre wissen die sensiblen Europäer, daß sie die Schätze der Baukultur erhalten und pflegen müssen, um der Vergangenheit eine Zukunft zu sichern. Damals dachte man vor allem an Paläste, Schlösser, Kirchen, Universitäten, Bibliotheken, Museen und historische Ensembles.

Ein Vierteljahrhundert später stehen wir vor der Aufgabe, auch viele wertvolle Zeugen der alten Industriekultur zu retten und eine versunkene (versinkende) Epoche zu dokumentieren.

Mit dieser Problematik hat sich erfreulicherweise die deutsche Kultusministerkonferenz intensiv beschäftigt und am 27. Januar 1995 eine Empfehlung „Industriekultur, Industriedenkmalpflege und Industriemuseen“ verabschiedet.

Im Katalog stehen Tunnels, Viadukte, Brücken, Seilbahnen, Dampfschiffe, Zechen, Eisenhütten, Sensenhämmer, Brennereien, Ölmühlen, Ziegeleien, Wasser- und Fördertürme, Schornsteine, Bahnhöfe, Getreidespeicher, Schlachthöfe, Aufzüge, Heilstollen, Arbeitersiedlungen u.a.m.

Das verlangt von der Denkmalpflege den Ausbau eines Spezialzweiges, von den Staatsbudgets und von Sponsoren sind hingegen enorme Summen gefordert. Derzeit werden jedoch in vielen Ländern die Denkmalschutzmittel nicht aufgestockt, sondern arg beschnitten, weil manche Finanzminister offensichtlich noch nicht begriffen haben, daß sie über die Mehrwertsteuer (Handwerker, Materialeinsatz usw.) die großen Nutznießer der Restaurierungen, Sanierungen und Revitalisierungen sind. Mit den Kürzungen schneiden sie sich ins eigene Fleisch.

Wir bringen im Hinblick auf den Kongreß in Essen einige Beispiele der Umnutzung, die allen Verantwortlichen bewußt machen sollten, daß neue Funktionen für alte Industrieregionen Arbeit, Hoffnung und Zukunft bedeuten.

Prof. Max Mayr
Präsident des ISG

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