Einladung nach Essen – die Stadt der Zukunft
Lichtblicke und Sorgen
Es ist gut, daß sich in jüngster Zeit viele Politiker, Planer und Vertreter von Institutionen mit der Zukunft der Stadt beschäftigen. Seit der Ausgabe der ISG-Nachrichten 1-2/1994, in der wir diese Problematik aufgegriffen haben, gab es bereits mehrere Symposien in europäischen Ländern. Kurz nach dem Kongreß in Essen (nebenan) kommen diese Fragen auch in Berlin aufs Tapet.
Dennoch ist Sorge angebracht: Werden Fehlsteuerungen gestoppt und positive Lösungen rasch genug angepackt?
Es ist erfreulich, daß viele Verantwortliche angesichts des Anwachsens der Megastädte und der Entleerung ländlicher Gebiete auf Gegenkurs sind. Sie wissen: Ohne blühende Regionen keine glückliche Entwicklung der Agglomerationen. Einer dieser Pioniere ist der Tiroler Abgeordnete im Wiener Parlament, im Europarat und anderen internationalen Gremien, Dr. Sixtus Lanner. Ob die Sorge um den ländlichen Raum von genügend Zeitgenossen wohl verstanden und unterstützt wird?
Es ist beglückend, daß die europäische Integration den EG- jetzt EU-Ländern seit 1945 Frieden und Demokratie gesichert hat. Die bedrückende Frage: Wie könnte es gelingen, im ehemaligen Jugoslawien den nun schon vierjährigen Krieg zu beenden und das einst harmonische multikulturelle Klima wieder aufzubauen?
Erschreckend ist auch die Tatsache, daß ausgerechnet jenes Erbe, das die Identität der einzelnen Völker ausmacht – gegenseitig – vernichtet wird: Kirchen, Moscheen, Theater, Museen, Universitäten, Schulen, Bibliotheken. Müssen wir die Schilder „Kulturdenkmal“ abmontieren, weil sie nicht Schutz sondern Zielscheibe sind?
Lichtblicke und Sorgen: Noch wäre ein wenig Zeit, dieses Jahrhundert hoffnungsvoller ausklingen zu lassen.
Prof. Max Mayr
Präsident des ISG
