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Den aktuellen Beitrag zur Eröffnung der neuen Augartenbucht finden Sie auf:

Eröffnung der Augartenbucht

Jahresthema des ISG 2020

Wasser als Element der Stadtgestaltung

Ingolstadt plant ebenfalls eine Neugstaltung der Donauufer mit mehr Aufenthaltsqualität – setzt also auch seine Uferlinie neu in Szene. In den vier ISG-Magazinen des Jahres werden wir uns eingehend mit vielen europäischen Projekten zum Thema beschäftigen. Die meisten davon werden das große Potential in einer Neuausrichtung von Uferbereichen für dicht besiedelte Städte deutlich machen; andere hingegen müssen kritisch hinterfragt werden, ob der Zugang zum Wasser noch immer ein freier ist, oder ob er – wie im ersten ISG-Magazin 2020 im Beitrag von Wolfgang Christ thematisiert – nicht längst zu einem Politikum geworden ist, das zu Verwerfungen ungeahnten Ausmasses führt.

Historisch befinden sich die Städte in einer neuen Phase im Umgang mit dem Element Wasser. Am Beispiel der Stadt Graz liegt der letzte große Bruch in dieser Beziehung über 120 Jahre zurück. Damals bot die Mur noch regelmäßige Hochwasser, die weit in die Stadt schwappten – eine Hochwassermarke am Hotel Mariahilf am rechten Murufer veranschaulicht das bis heute. Danach aber wurde ab 1890 begonnen die Ufer als Promenadenstraßen anzulegen, sie also räumlich und architektonisch zu fassen. Diesem Vorhaben, dem die Stadt Graz bis heute einen wichtigen Teil seines Stadtbildes am Wasser verdankt, führte einerseits zum Abriss ganzer Straßenzüge und andererseits dazu, dass die nahe am Wasser verbleibenden Häuser neue Eingänge zum Wasser – nun zur Promenade hin – erhielten. Davor waren ihre Eingangsbereiche vom Wasser abgewandt auf die hinteren Gassen orientiert.

Die im 20. Jahrhundert üblichen Flußbegradigungen, deren große Anstrengungen sich in den ebenso großen ökologischen Schäden widerspiegeln führten allerdings dazu, dass die Mur sich schrittweise immer tiefer eingrub und sie heute daher im Stadtraum vor allem durch das grüne Band des Uferbewuchses auffällt. Auch dieser naturnahe Raum an den Murufern der Altstadt ist ein relativ junges Element. Aufnahmen aus den 40iger Jahren zeigen vollkommen baumlose Murufer, die Bäume waren lediglich ein Promenandenelement, das heute durch die mehrspurigen Uferstraßen in seiner Wirkung als „Promenade“ konterkariert wird. Graz hat jedoch schon Anfang des 21. Jahrhunderts die Initiative ergriffen, um die Uferbereiche wieder mit mehr Aufenthaltsqualität auszustatten. Die Murpromenade, der Mur-Beach, die Surfwelle, in Zukunft das neue Bootshaus und die neue Augartenbucht werden die „Wasser-Stadt-Beziehung“ wieder intensivieren.

Andere Städte haben da noch großes vor sich. Rijeka beispielsweise, 2020 Europäische Kulturhauptstadt, nannte sein Programm „Hafen der Vielfalt“. Leider wird dieses Kulturhauptstadtjahr wohl der Corona-Pandemie großteils zum Opfer fallen. Das ist extrem bedauerlich, nicht nur weil viele Ideen und Anstrengungen in die Projekte geflossen sind, die nun kaum Besucher haben werden, sondern weil die Chance für Rijeka, sein früher abgeschlossenes Hafenareal für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, eine ganz enorme ist, um eine neue Beziehung zum Meer herzustellen.

Leider ist den Reisebeschränkungen auch das ISG Symposium 2020 zum Opfer gefallen, dessen Exkursion für 2 Tage nach Rijeka geplant war. Wir hoffen – auch für die Kulturhauptstadtschwester Rijeka – dass wir die Exkursion im nächsten Jahr nachholen können und damit die Anstrengungen doch noch Früchte tragen werden.

Daher bittet Sie auch der ISG-Vorstand und das Team in der Geschäftsstelle: Halten Sie dem ISG die Treue! Wir werden in vier spannenden ISG-Magazinen und nach Möglichkeit mit lokalen Veranstaltungen im Herbst die Altstadterhaltung, das UNESCO Welterbe und die Baukultur hochhalten!

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