ISG-Nachrichten

Magazin 1984/2

Der 2. Internationale Kongreß  für Altstadt und Baukultur, der im Herbst dieses Jahres, vom 27. bis 30. September 1984 in Graz im Kongreßzentrum im Herzen der Altstadt stattfindet, wird unter dem Untertitel LEBENSRAUM EUROPA eine große Zahl von Referenten aus Ost und West in Graz zusammenführen. Gerade diese Öffnung nach beiden Seiten Europas, die im neutralen Österreich wie sonst nirgends in Europa möglich ist, ruft unter den Besuchern großes Interesse hervor.

Seit dem Denkmalschutzjahr 1975 ist in allen Kreisen der Verantwortungsträger und der bewußt lebenden Bevölkerung ein großer Gesinnungswandel eingetreten.

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg, als der große Wiederaufbauboom einsetzte, galt für viele der Spruch: „Hat einer zuviel  Geld und ist auch sonst recht dumm, dann kauft er a alt`s Haus und baut`s um.“

Diese Diskriminierung des Alten, aber auch des Althergebrachten und Tradierten bescherte uns eine gebaute Umwelt, die unsere Kultur zu bedrohen anfing. 5 Minuten vor 12 war es bereits, als mit dem 1. Internationalen Altstadtkongreß 1974 die Weichen für eine „andere“ Zukunft gestellt wurden. Innerhalb weniger Jahre dieses Umdenkungsprozesses würde nun kein verantwortungsvoller Politiker mehr ein historisches Haus in der Altstadt, in der vertrauten Umgebung, durch einen gesichtslosen Neubau ersetzen. Die Renovierung und Revitalisierung (neue Funktionen für alte Bauten) wurde nun salonfähig; denn diese Art des Bauens bringt auch Beschäftigung für das Baugewerbe und die Zulieferfirmen. So sind nun die historischen Zentren der Städte durch Denkmalschutz und diverse Altstadtgesetzgebungen weitestgehend vor der Zerstörung abgesichert, aber das anonyme Bauen auf dem Lande, die historisch weniger bedeutenden Vorortzentren und die Zeugen der frühindustriellen Bauentwicklung sind nach wie vor gefährdet. Deshalb wurden die Schwerpunkte dieses 2. Internationalen Kongresses für Altstadt und Baukultur auf folgende Ziele gerichtet:

  • Saniert die alten Städte!
  • Sichert die historischen Vororte!
  • Rettet unsere Dörfer!
  • Bewahrt die Zeugen der Industrie!

Gerade die Steiermark ist prädestiniert für die Erhaltung der Architektur in den Gemeinden, am Land einen wichtigen Beitrag zum Kongreß zu liefern, da in diesem Bundesland durch die Schaffung des Ortsbildgesetzes aus dem Jahre 1977 viele Ortszentren von Gemeinden unter Schutz gestellt werden konnten. Aus den anfänglichen 10 „Pilotgemeinden“ sind nun insgesamt 25 Gemeinden geworden, die den gesetzlichen Ortsbildschutz praktizieren.

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