ISG-Nachrichten

Magazin 1983/2

Einen herzlichen Gruß aus Graz!

Merke: Althaussanierung ist ein gutes Mittel gegen die Winterarbeitslosigkeit in der Bauwirtschaft und im Baunebengewerbe.
Ein heißer Sommer mit Rekordtemperaturen von 30 Grad im mitteleuropäischen Schatten neigt sich zu Ende, ein arbeits- und problemreicher Herbst mit schwierigen Aufgaben kündigt sich an. Beschäftigungssicherung – auch für die Jugend – muß Vorrang haben, die Erstellung der Budgets im Bund, in den Ländern, Städten und Gemeinden wird härter denn je, neue Ideen sollten zur Lösung der vielschichtigen Krise beitragen.

Als Vertreter des „Internationalen Städteforums Graz“ (ISG) machten wir die Erfahrung, daß die arbeitsmarktpolitischen Aspekte der Stadt- und Ortsbildpflege nicht hoch genug eingeschätzt werden können, zumal es „in Krisen wie diesen“ darauf ankommt, ungezählte Chancen zu nützen anstatt auf ein neues Wirtschaftswunder zu warten.

Eines ist durch Zahlen erhärtet: Abertausende Baumeister und Gewerbetreibende hätten ohne Stadt- und Ortsbildverschönerung, ohne Wohnungsverbesserung, ohne Sanierung, Restaurierung und Baulückenschließung längst zusperren oder zumindest einen großen Stock von Mitarbeitern kündigen müssen. Daß sich auch sehr große Bauunternehmungen heute um Färbelungen und Renovierungen bemühen, verweist auf revolutionäre Umschichtungen in der Baubranche: Die einstigen Milliarden für Großprojekte auf der „grünen Wiese“ sind nicht mehr da, kleinere Aufträge mit hoher Arbeitsintensität und handwerklichem Können lösen die Ära der großteils maschinell gesteuerten „Materialabsatzsicherung“ ab.

Tüchtige, meist junge Architekten sowie engagierte Bauleute haben das längst erkannt, kluge Politiker fördern diesen Trend nicht zuletzt deshalb, weil es sich beim Herrichten und Herausputzen unserer Dörfer, Märkte und Städte und bei der Schaffung zeitgemäßer Wohnkultur um eine über das jeweilige Staatsgebiet verteilte Arbeitsplatzsicherung handelt. Für eine ganz große Leistung bei der Erhaltung und Pflege des Bauerbes ist den Kirchen zu danken. Wieviele Kulturdenkmäler – vom Wegzeichen über Kapelle, Kirche und Kloster – wurden doch gerade in den letzten Jahren gerettet und verschönert!

Eine Bitte, die sich aus diesen Gedankengängen ableitet: Tun Sie alles – was in Ihrer Macht steht – für die Ankurbelung der Althaussanierung und für das besonders bedrohte ländliche Bauerbe! Viele kleine Aufträge bringen schließlich auch eine Menge Arbeit und manch positive Folgewirkung – zum Beispiel für den Tourismus. Umbauten, Neugestaltungen und Installationen im Innern der Häuser sind bekanntlich das Mittel gegen Winterarbeitslosigkeit im Wohnbau!

Ein großer Wunsch unsererseits, den wir auch schon in der Nummer 1 der ISG-Nachrichten ausgesprochen haben: Melden Sie uns bitte möglichst alle vorbildlichen Leistungen aus Ihrem Wirkungsbereich, damit die Liste der guten Taten auch die Zweifler und Unentschlossenen mitreißt.
Zum Ausklang dieses Briefes können wir mit Freude melden, daß wir wieder eine Reihe neuer Mitglieder des ISG begrüßen dürfen. Der Bogen reicht von der Mainmetropole Frankfurt über das jugoslawische Marburg (Maribor) bis zum Markt Straden im südsteirischen Grenzland. Zu vermelden ist auch, daß sich Journalisten aus Moskau und Fernsehleute aus den USA in Graz einfanden, um über die Rettung des architektonischen Erbes zu berichten. Es geht um Ost und West, um das Unverwechselbare in Stadt und Land.

Allen Mitstreitern und allen Interessenten sagen wir Dank und beste Grüße!

Max Mayr                                                                          Kulturstadtrat Dr. Heinz Pammer
Geschäftsführender Vizepräsident                               Präsident

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