Holzglockentürme

© 2019 Juvanec_Benko

Holzglockenturm Belfry harangláb zvonik

Kuratorin: Dr. Iris Mach

Montag, 6. Mai 2019 um 18.00 Uhr
Technische Universität Wien – Prechtlsaal

Karlsplatz 13, Stiege 1, Erdgeschoß
1040 Wien

Ausstellung bis 11. Mai 2019

Der Glockenturm kann als die räumliche Manifestation eines Klangzeichens verstanden werden. Die einfachste Variante eines Glockenturms ist eigentlich ein “Glockenständer”, nur eine Säule mit einer Spindel, die die Glocke in die Höhe hebt, und ihr damit eine verstärkte Wirksamkeit gibt: wir hören sie. Die frühesten Glockentürme sind aus Holz erbaut und bestehen aus einer tragenden Konstruktion sowie einem Unterbau, der die Statik sichert – das Schwenken der Glocke während des Läutens verursacht außerordentliche dynamische Belastungen. Wegen seiner im Winkel angesetzten Stützen ist der untere Teil den äußeren Einflüssen am meisten ausgesetzt, vor allem dem Regen, weswegen er bedeckt und abgeschottet ist.

Die Ausstellung präsentiert Glockentürme an der Nahtstelle dreier Länder, dreier Völker, die jedoch eine gemeinsame Kultur teilen. Die vorgestellten Glockentürme aus dem Gebiet Österreichs, Sloweniens und dem Westen Ungarns haben ihren Ursprung in der evangelischen Kultur; später wurden sie auch vom Katholizismus angenommen. Aus der Reformation und ihrer Philosophie stammt die einfache Konstruktionsweise dieser Gebäude. Sie sind keine Kirchenarchitektur, sondern öffentliche Objekte in der Hand von Dorfgemeinden oder Einzelpersonen. Ihre Betreiber läuteten am Morgen, Mitttag und Abend: zum Arbeitsbeginn, zum Mittagessen und zum Abschluss des Arbeitstages.

Das Errichten von Glockentürmen, die nicht in Kirchenhand liegen, sondern öffentliches oder Privateigentum sind und von Laien betrieben werden, ist ein Weltunikum und stellt eine Frühform der Entwicklung einer Gesellschaft Gleichberechtigter dar. Es ist in jeder Hinsicht eine vernakuläre Architektur. Dies ist auch das wahrscheinlich wichtigste Architekturelement, das im Gebiet der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie die Länder Österreich, Slowenien und Ungarn auch heute noch verbindet

Borut Juvanec

Professor, Doktor der Wissenschaften, Architekt am Institut für traditionelle Architektur der Universität in Ljubljana. Sein Arbeitsgebiet ist die Theorie der Architektur, ihre Ursprünge und die traditionelle Architektur. Er gibt Vorträge an vielen europäischen Universitäten und Kongressen. Er veröffentlichte über 25 Bücher sowie zahlreiche Artikel im internationalen Raum. Er ist Mitglied von ISIS – Symmetry Melbourne AUS, CIAV Paris F, SPS Le Vans F, ARTE Caceres E, Patronat de Sant Galderic Barcelona CAT und ICOMOS (expert member of CIAV) Paris.

Andreja Benko

Doktorin der Architektur. Sie studierte an der Fakultät für Architektur in Ljubljana (2001 bis 2008). In den Jahren 2005, 2006 und 2010 war sie Stipendiatin des Dr. Otto und Karla Likar Fundes. Zwischen 2011 und 2015 war sie research Fellow an der Universität in Ljubljana, 2013 an der Universität für Wirtschaftslehre und Technologie in Budapest. Seit 2008 ist sie vor allem in den Feldern der Einfamilienhäuser und des Hoteldesigns tätig. Als Wissenschaftlerin beschäftigt sie sich vor allem mit dem Architekturerbe. Ihre Arbeiten sind in verschieden internationalen wissenschaftlichen und Fachzeitschriften veröffentlicht.

 

Im ISG-Magazin 1_2019 Architektur und Identität ist dazu bereits ein Artikel erschienen!

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