Form und Funktion der Altstadt

Magazin 2003/2

Begleitheft zum 6. Internationalen Kongress für Altstadt und Baukultur in Graz, der vom 14. bis 17. Mai 2003 stattgefunden hat.

Freiheit des Bauens

Der Reiz der historischen Zentren, um die es beim „6. internationalen Kongreß für Altstadt und Baukultur“ geht, leitet sich im Wesentlichen aus der Beschränkung der Freiheit im Bauen ab. Es ist eine Beschränkung auf den engen Raum innerhalb der oft von hohen kostspieligen Wehrmauern umgebenen damaligen Städte, die Beschränkung auf die verfügbaren Baustoffe aus der näheren Umgebung, da der Transport schwerer Materialien über große Distanzen nicht finanzierbar war, und die Beschränkungen durch die damaligen Baugesetze, die auf diese und andere Parameter reagierten. Dazu kamen zumindest in einzelnen Städten schon im Mittelalter Regeln und Kommissionen, die das Erscheinungsbild verbessern sollten. So gab es beispielsweise bereits um 1200 eine Schönheitsbehörde für Siena.

Heute verfügen wir über ein riesiges Angebot an Baumaterialien und können nahezu jede Form herstellen. Es gibt eine scheinbar unbegrenzte Freiheit im Bauen – ein Umstand, der zu vielen Disharmonien in heutigen Städten geführt hat. Unter den renommierten Planern haben allerdings als Reaktion auf die Zeit des Historismus im 19. Jahrhundert neue Unfreiheiten Einzug gehalten. Diese wirken bis ins 21. Jahrhundert nach. Dazu gehören vor allem die Ideologisierung und Tabuisierung von geneigten Dächern und von symmetrisch geformten Fassaden. Das eine ist „reaktionär“, das andere „totalitär“.

Dabei ergeben geneigte Dächer in unserer Klimazone immer noch einen sinnvollen Regenschutz trotz ausgereifter Flachdachtechnik. Alle früheren Stilepochen haben geneigte Dächer als eine Gemeinsamkeit. Symmetrie ist ein sehr einfaches grundsätzliches Ordnungsprinzip, das stärker auf sich bezogene Fassaden erzeugt. Weniger gut und auch sehr eigenwillig gestaltete Fassaden stören daher weniger im Ensemble. Beides ließe sich auch in heutiger Architektursprache neu interpretieren.

Raimund Abraham ist einer der wenigen international anerkannten österreichischen Architekten, die gleich mit beiden Tabus gebrochen haben. In unseren historischen Zentren sind geneigte Dächer bei einsehbaren Dachlandschaften leichter zu integrieren und daher dringend zu empfehlen. Aus dem Straßenraum gesehen ist vor allem das Thema Traufe meist von Bedeutung. Der Kongreß wird diese und viele andere Themen behandeln und diskutieren. Wir hoffen auf eine interessante Veranstaltung und ein gutes Ergebnis.

Bundesministerin Elisabeth Gehrer  S. 2
ERHALTUNG UNSERES KULTURERBES

Landeshauptfrau Waltraud Klasnic  S. 3
AMBIENTE DES MITEINANDERS

Bürgermeister Siegfried Nagl  S. 4
HERZLICH WILLKOMMEN IN GRAZ

Stadtrat Gerhard Rüsch  S. 5
WICHTIGER PROGRAMMPUNKT

Sir James Dunbar-Nasmith  S. 6
NEUES BAUEN IN DENKMALSCHUTZGEBIETEN

Otto von der Gablentz  S. 7
EUROPA NOSTRA – 40 JAHRE IM EINSATZ FÜR UNSER KULTURERBE

Redaktion  S. 8
PROGRAMM DES INTERNATIONALEN KONGRESSES MIT EXKURSION

Friedrich Achleitner  S. 14
HOCHHAUS UND STADT

Kurt Ackermann  S. 15
DENKMALPFLEGE UND BARRIEREFREIHEIT IM ÖFFENTLICHEN RAUM

Reinhard Breit  S. 16
FUNKTIONSWANDEL DER HISTORISCHEN ZENTREN – HALLE AN DER SAALE

Roger Diener  S. 17
BAUVERÄNDERUNGEN IN DER GEGENWART

Bohumil Fanta  S. 18
ALTSTADTWANDEL IN DEN REFORMSTAATEN AM BEISPIEL VON PRAG

Heiner Hierzegger  S. 19
ALTSTADT UND REGION

Bill Hillier  S. 20
STADT UND FREIRAUM – EIN NEUES VERSTÄNDNIS

Friedmund Hueber  S. 22
HÖHENENTWICKLUNG IM HISTORISCHEN STÄDTEBAU

Egbert Kossak  S. 23
HAMBURG: STADTBILD OHNE HOCHHÄUSER

Friedrich Kurrent  S. 24
25 JAHRE NEUES BAUEN IN ALTER UMGEBUNG

Bruno Reichlin  S. 25
CHARTA VON VENEDIG HEUTE

Michael Szyszkowitz  S. 26
NEBEN DER UND FÜR DIE GESCHICHTE BAUEN

Heinz Tesar  S. 28
STADTPARTIKEL FÜR DRESDEN

Jürgen Tietz  S. 29
BAUVERÄNDERUNGEN GESTERN UND HEUTE

Klaus Vatter  S. 30

HOCHHÄUSER UND STADTGESTALT IN WIEN

Ales Vodopivec  S. 31
NEUES BAUEN IM HISTORISCHEN SLOWENIEN

Karin Wilhelm  S. 32
DISNEYFICATION: ENTWERTUNG DES HISTORISCHEN BEWUSSTSEINS?

Thomas Will  S. 33
ALTSTADT UND NEUES BAUEN – LEHREN AUS DER GESCHICHTE?

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