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Baukultur-Engagement

Privates Interesse rettet eine der ältesten Villen am Grazer Ruckerlberg

Neue Schutzzonen nach dem Grazer Altstadterhaltungsgesetz
Beinahe 30 Jahre hat es gedauert, bis in der soeben zu Ende gegangenen Funktionsperiode der Grazer Altstadt-Sachverständigenkommission (7/2015-6/2020) endlich eine Schutzzonen-Erweiterung in Graz umgesetzt werden konnte.
Die Schutzzonen VI/1 Villenviertel am Ruckerlberg und VI/2 Gartenstadt St. Peter sollen dazu beitragen, die historischen Villen zu erhalten und bei der Verdichtung die hohe architektonische Qualität, die durch die historischen Villen vorgegeben ist, in zeitgenössischer Weise weiterzuführen ohne die historische Baustruktur zu zerstören.

Der Schutzverein Ruckerlberg und viele engagierte BürgerInnen der Stadt Graz – allen voran auch der Bezirksvorsteher und Bezirksrat von Waltendorf – haben sich stark für die neue Grenzziehung der Schutzzonen nach dem Grazer Altstadterhaltungsgesetz (GAEG) eingesetzt und dazu beigetragen, dass am 20.2.2020 die Verordnung des Landes Steiermark in Kraft treten konnte.

Privater Einsatz als Rettung in letzter Minute
Einen ersten Erfolg zur Rettung einer bedeutsamen historischen Villa in der Rudolfstraße konnten die engagierten BürgerInnen noch vor Einführung der Schutzzone erreichen. Obwohl der Abbruch einer der ältesten Villen bereits möglich gewesen wäre, fand sich ein engagierter Käufer, der die Villa nun renoviert und durch einen zeitgenössischen Zubau im untergeordneten Ausmaß erweitert. Das große Hanggrundstück böte noch weiteren Raum für eine zeitgenössische Entwicklung, ohne die Bedeutung der Villa für das Stadtviertel zu schmälern.

GAEG und Denkmalschutzgesetz-Novelle?
Diese vorbildliche Vorgangsweise im Umgang mit der historischen Architektur lässt auf NachahmerInnen hoffen, denn in den neuen Schutzzonen gibt es einige Villen, die momentan gefährdet sind.  Nun greift zwar das GAEG, das eine Erhaltungspflicht für schutzwürdige Bauten vorsieht, trotzdem fallen jedoch immer wieder einzelne schutzwürdige Bauten dem § 5 GAEG zum Opfer, der nicht nur bei technischen Baugebrechen sondern auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit ein Fenster für den Abbruch offen lässt. Ein Fenster, das vorwiegend das Landesverwaltungsgericht nutzt, wenn ein Einspruch gegen ein ASVK Gutachten erfolgt. Hier könnte einerseits eine Novelle des GAEG Abhilfe schaffen, andererseits das österreichische Denkmalschutzgesetz. Doch solange der Denkmalschutz die lokale Situation nicht stärker in seinem Beurteilungskatalog berücksichtigt, wird sich am schwierigen Einsatz für die historische Baukulturerhaltung wenig ändern.

Baukulturerhaltung steuerlich besser unterstützen
Die Bedeutung des privaten Engagements am Beispiel der Villa in der Rudolfstraße kann nicht hoch genug eingeschätzt werden! Damit findet sich vor allem auch der Umstand bestätigt, dass nur engagierte BesitzerInnen den Erhalt nicht denkmalgeschützter historischer Architektur durch Ihr verantwortungsvolles Handeln sicherstellen können. Das sollte mit öffentlichen Mitteln viel deutlicher unterstützt werden, als dies derzeit der Fall ist, schließlich profitieren wir alle von einem lebenswerten baukulturell wertvollen Umfeld!!

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