Alarm! Die Innenstädte veröden

Magazin 1997/1

Der Widerstand wächst

Wer die Entwicklung unserer Städte aufmerksam verfolgt, ist seit geraumer Zeit mit dem Phänomen der Verödung der Cities konfrontiert.

International tätige Handelsunternehmen verdienen am günstigen Masseneinkauf in den Niedriglohnländern, sie machen auf dem Rücken von Ausgebeuteten den alteingesessenen, heimischen Betrieben schärfste Konkurrenz, bis diese schließlich aufgeben.

Glaubt man den Propheten des neuen Manchester-Liberalismus und des rasant um sich greifenden Neokapitalismus, ist das der Preis, den wir für die Globalisierung im vernetzten Weltmarkt zu bezahlen haben.
Schön langsam und viel zu spät regt sich aber auch Widerstand gegen die Vernichtung des Mittelstandes, der mit seinen nachhaltigen Leistungen für ein blühendes Staatswesen unentbehrlich ist. Auch die wildwuchernden Superzentren an den Stadträndern bzw. auf der Grünen Wiese lösen zunehmend Proteste aus.

Beim „5. Internationalen Kongreß für Altstadt und Baukultur“ in Essen warnte Ministerialdirigent Wolfgang Roters, Düsseldorf, vor dem Abdanken der Politik und der Stadtplanung. Für die neuen deutschen Bundesländer ist jetzt der Wettbewerb „Attraktive Geschäftsstraßen – Ideen für den Lebensraum Innenstadt“ angelaufen, an der Spitze maßgeblicher Verantwortungsträger dieser Kampagne steht der Bundesminister für Wirtschaft, Dr. Günter Rexrodt. Führende Institutionen des Handels, aber auch Gewerkschaft, Banken, Versicherungen, Handwerkerverbände sowie der Städte- und Gemeindetag sind als Partner von Anfang an dabei.
Mit der hochaktuellen Frage nach der Revitalisierung der Innenstädte und dem Verhältnis von Zentrum und Peripherie beschäftigte sich Ende Juni der „Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung“ in Magdeburg. Es herrscht begründete Sorge, daß die Vorstellungen einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung auf der Strecke bleiben.

Einen aufsehenerregenden Schritt in die richtige Richtung setzten die Kommunalpolitiker in Luzern, als sie mit einer Volksabstimmung ein Mammut-Einkaufszentrum verhinderten.
Der Widerstand wächst, es geht um Blüte oder Niedergang der europäischen Stadt.

Max Mayr
Präsident des ISG

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