Neues Bauen in alter Umgebung
z.B. in Paris….
Modernes Bauen in alter Umgebung fordert einerseits zu sachkundiger Kritik heraus, andrerseits erregt es immer wieder die Gemüter und spaltet die Öffentlichkeit in mehrere Lager.
Dies trifft auch für Paris zu, wo ein halbes Duzend moderner Bauwerke bereits eröffnet wurden oder kurz vor ihrer Fertigstellung stehen. Wenig Staub wirbelte das Finanzministerium auf, das die vierspurige Osteinfahrt von Paris überspannt und einige Meter weit in die Seine hineinreicht.
Auch der Umbau des alten Orsay-Bahnhofs zu einem Museum moderner und avantgardistischer Kunst, das Institut der arabischen Welt und der Supertriumphbogen im Défense-Viertel riß die Pariser nicht zu Proteststürmen hin.
Im Gegensatz zur Glaspyramide, die mitten im Louvrekomplex steht, und zum neuen Opernhaus am Bastille-Platz, wo vor genau 200 Jahren die Französische Revolution begann.
Die Pyramide hat Präsident Mitterrand beim chinesischen Architekten Ieoh Ming Pei in Auftrag gegeben. Sie mißt über 20 Meter und überdacht einen Teil der neugeschaffenen unterirdischen Museumsräume. Drei Gänge führen den Besucher von diesem repräsentativen Eingangsportal zu den drei Flügeln des Louvre-Museums, das jährlich von 3,7 Millionen Besuchern aufgesucht wird.
Obwohl offiziell bereits eröffnet, sind die Bauarbeiten an der neuen Oper noch nicht abgeschlossen. Das von Kritikern liebevoll oder boshaft mit einem Rhinozeros, das in einem Waschbottich steckt, verglichene Haus ist bühnentechnisch allen vergleichbaren Opern der Welt klar überleben. Fünf Nebenbühnen in der Größe der Hauptbühne ermöglichen den raschen Umbau von Bühnenbildern und lassen einen von Proben ungestörten Theaterbetrieb zu. Architekt dieser Mitterrand-Erfindung ist der Kanadier uruguayischer Abstammlung, Carlos Ott.
Ihr Michael Jungwirth
