© Univ.Prof. Dr. Anselm Wagner, ISG Vorstand, und Dr. Burkhardt Rukschcio mit ISG GF Mag. Gertraud Strempfl-Ledl und Dr. Karin Enzinger

© Devastiert und geplündert! Fotos B. Rukschcio

© Devastiert und geplündert! Fotos B. Rukschcio

Ein Denkmal der Moderne wiedererweckt. Eileen Gray und ihr Einstieg in die Architektur.

Das Schicksal von E.1027! Vortrag von Dr. Burkhardt Rukschcio!

Das ISG veranstaltete im Rahmen des diesjährigen Jubliäums zum 50. Geburtstag des Vereines in Kooperation mit dem Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU-Graz den Vortragsabend mit Dr. Burkhardt Rukschcio zur Wiederherstellung des von Eileen Gray entworfenen Hauses E.1027! Eileen Grays Haus zählt zu den weltweit gelisteten Iconic Houses. Es befindet sich heute in französischem Staatsbesitz und wurde unter der Mitarbeit von Burkhardt Rukschcio wiederhergestellt.

Die Fotos des devastierten Hauses lassen Verwunderung aufkommen, dass das ikonische Haus überhaupt gerettet werden konnte. Es stand nach einem tragischen Todesfall eines Besitzer über lange Jahre leer, war völlig unversperrt für jedermann zugänglich und wurde daher geplündert bis kurz vor der nun mustergültigen Renovierung oder besser, der Wiederherstellung des Hauses und seiner einzigartigen Möblierung. Rukschcio, der an der Central European University in Prag selbst das Fach des „Conservation Architect“ unterrichtet hat, beschreibt die Anforderungen einer Restaurierung und Wiederherstellung, die leider heute in Österreich an Architekturfakultäten nicht gelehrt wird, als beinahe dedektivische Arbeit.

Burkhardt Rukschcio betonte in seinem Vortrag mehrfach die Besonderheit des Teams, das an der Wiederherstellung arbeitete. Zahlreiche Fachleute aus Österreich kamen dabei zum Einsatz, ergänzt durch lokale französische Kolleginnen und Kollegen sowie Produzenten von Einzelteilen, die mühsam in Europa gefunden wurden. Sie alle eint in ihrer Arbeit eine Akribie und das gemeinsame Ziel, die Architektur und das Design von Eileen Gray zu würdigen und nicht zu verfälschen. 

Das Ergebnis ist beeindruckend und sehenswert!

Leider verdient die öffentliche Zugänglichkeit und der laufende touristische Betrieb keine Anerkennung. Denn wie andernorts in Architekturdenkmälern üblich – etwa der gerade wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Villa Beer in Wien – werden für den Besuch des Hauses E.1027 keine Maßnahmen getroffen, die die Substanz des Hauses – z.B. die original gekachelten Böden – schützen. Die Besucherinnen und Besucher werden in großen Gruppen, mit sandigen Straßenschuhen durch das Haus geschleust, ohne Rücksicht auf Substanzverlust und Beschädigung! So wird das Architekturdenkmal der Moderne auch für die Zukunft wohl nicht zu bewahren sein! 

Kunsthistoriker Burkhardt Rukschcio studierte in Wien Architektur, Kunstgeschichte und Archäologie und schrieb seine Dissertation 1974 zum Thema „Studien zu Entwürfen, Projekten und ausgeführten Bauten von Adolf Loos (1870 – 1933)“. Seit den frühen 1970er-Jahren widmet er einen großen Teil seiner beruflichen Tätigkeit als Forscher und als Vortragender dem Leben und Werk von Adolf Loos und ist einer der bekanntesten Loos-Spezialisten in Wien. Rukschcio zeichnete zudem für die Restaurierung bedeutender Loos-Bauten verantwortlich, darunter das Looshaus am Michaelerplatz (1987), die American Bar (1989), die Musiksammlung der Wienbibliothek (1989), das Haus Steiner sowie das Haus Strasser. Als Kurator der Architekturabteilung der Graphischen Sammlung Albertina in Wien ordnete und inventarisierte er das Adolf Loos-Archiv. Gemeinsam mit Roland Schachel publizierte er 1982 im Residenz Verlag das Standardwerk „Adolf Loos. Leben und Werk“. Dem ISG-Publikum ist er bestens als Autor der ISG-Sonderausgabe des Magazins (2/2023) über die Wiederherstellung des Wiener Looshauses am Michaelerplatz bekannt . Heute lebt er in Südfrankreich.

© Die Treppen z.T. bereits einsturzgefährdet Foto B. Rukschcio

© Fotos B. Rukschcio_ISG

© Der Teppich „Centimètre“ wurde in Inch/Zoll produziert B. Rukschcio_ISG

© Ein unvergesslicher Blick aufs Meer. Die „blaue Bespannung“ wurde von einer Nachbarin, die das Original kannte, bestätigt. Foto B. Rukschcio_ISG

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