Kleemaier-Wettl, Rosalinde,  Departement für Bauen und Umwelt der Donau-Universität Krems (Hg.), Baukulturelles Erbe versus Klimaschutz und Modernität – Am Beispiel des Welterbegebietes Fertö – Neusiedler See, broschiert, 236 S., zahlreiche farb. Abbl., ISBN 978-3-7281-3463-9, Zürich: vdf Hochschulverlag 2015

 

Baukulturelles Erbe versus Klimaschutz und Modernität – Am Beispiel des Welterbegebietes Fertö – Neusiedler See

Die traditionellen Straßendörfer sind ein wesentlicher Teil des regionalen Kulturerbes im Nordburgenland und im angrenzenden Ungarn. Ziel dieses Werkes ist es, die Vorzüge und Nachteile traditioneller Baustrukturen im Welterbegebiet Fertö – Neusiedler See herauszuarbeiten und daraus Konzepte für die Bewahrung und Weiterentwicklung der gewachsenen Kulturlandschaft abzuleiten.

Der Sanierung und Revitalisierung des geringen noch vorhandenen Bestandes an Bauten der Volksarchitektur – das sind im Wesentlichen Bauern- und Winzerhöfe sowie Kleinbauern- und Arbeiterhäuser – kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu. Ab den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts fiel ein großer Teil der traditionellen Bauten einer radikalen Modernisierungswelle zum Opfer. Im Bezirk Neusiedl am See gehen heute weniger als 5% aller Gebäude auf die Zeit vor 1919 zurück. Erst gegen Ende des Jahrhunderts setzte wieder eine Rückbesinnung ein. Die Bewahrung und Weiterentwicklung der traditionellen Baukultur erfordert nicht nur ein Bewusstsein für den kulturellen Wert, sondern auch Kenntnisse über die wesentlichen Charakteristika und Eigenschaften traditioneller Siedlungsstrukturen und Bauweisen. Diese wurden in der vorliegenden Publikation herausgearbeitet. Die thermische Sanierung ist aus rechtlichen, strukturellen und bauphysikalischen Gründen schwierig und aufwändig sowie denkmalpflegerisch problematisch. Überdies besteht die Gefahr von Bauschäden durch Störung des physikalischen Gleichgewichts. Die von der Wohnbauförderung geforderten Werte für den Heizwärmebedarf sind kaum erreichbar. Das begünstigt den Neubau gegenüber einer Sanierung.

Das Buch richtet sich einerseits an Fachleute aus dem Baubereich, andererseits an politische Entscheidungsträger, Berater sowie an die Einwohner der betreffenden Gebiete.

Eine Pflichtlektüre für alle OrtsbildpflegerInnen!

     

 

Wenzel-Jelinek, Margret; Wien wertvoll bedroht und behütet, Hardcover: 280 Seiten, Styria Verlag, Wien-Graz-Klagenfurt, 2014, ISBN 978-3-222-13488-3, € 34,50

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wien wertvoll - bedroht und behütet

Die renommierte, aus Bozen stammende Fotografin Margret Wenzel-Jelinek hat seit dreißig Jahren aus 70 Metern Höhe die Stadt an unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten, bei Sonne, Regen, bei Wind und Sturm fotografiert. Aus Tausenden von Fotos wählte sie eine signifikante Zahl aus und gruppierte diese nach Themen. Dennoch genügten der Autorin die fotografischen Aussagen nicht, welche ja auch Atmosphäre vermitteln. Sie ermunterte einzelne Persönlichkeiten, Essays zur Vertiefung der angeschlagenen Themenkreise zu verfassen: Die Marketingexpertin Marina Kuso bringt eindrucksvolle Zahlen zur der Statistik der Stadt, deren Inhalte in den Beiträgen der anderen Autoren deutlich werden. Der Designer und Künstler Gerhart Langthaler spürt der hier verbreiteten Mentalität, das Leben zu leben nach. Hermann Friedsam, Managementexperte, erläutert Faktoren der Lebensqualität. Hans Knoll, Architekt und Galerist, begrüßt die Vielfalt der Stadt. Der Bibliothekar Hans Petschar beschreibt die Wiener Hofbibliothek als Konzentration von Wissen. Der Musikwissenschaftler Otto Brusatti bleibt seinem Metier treu und verfolgt die Stadt auf Pfaden der Musik. Ansichten zur Entwicklung (vielleicht Fehlentwicklung) der baulichen Umwelt kommen von Hermann Knoflacher, Johann Kräftner, Gustav Peichl. Rudolf Zunke von der Wiener Baudirektion meint, die Stadt sei völlig ausreichend geschützt durch die von ihm aufgelisteten gesetzlichen Schutzmechanismen.

Der Verkehrsexperte Hermann Knoflacher diagnostiziert, dass sich Macht aktuell im Städtebau demaskiert und beklagt große Defizite bei Architekten: „Architektur als Bildung gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr, versteht man darunter die Herausforderung, die architektonische Qualität des Bestandes, einfacher ausgedrückt die Geschichte, zu respektieren und das Neue als „added value“ für die Gesamtheit, als zusätzlichen Wert nicht nur für den jeweiligen Bauherrn, sondern auch für die Gemeinschaft zu verstehen.“ (S. 166f.). Auch Architekt Gustav Peichl richtet den Blick auf die hochliegenden Gebäudebereiche, wenn er im Interview „Wien aufgestockt. Aber wie?“ mit Manuel Marold das Überwuchern von monetären Interessen über architektonische beklagt und meint „Schuld sind die MA19 und die Baubehörde, die das genehmigen, schuld ist die Baugesetzgebung, und schuld sind Investoren und Architekten.“ (S. 163). Einen eigenen Essay widmet er dem Thema „Architektur und Gesellschaft“, der durch seinen Appell an die Moral nichts an Aktualität verloren hat. Auch Architekt und Museumsdirektor Johann Kräftner beklagt angesichts des Wildwuchses und der offensichtlichen Zerstörungen die Hilflosigkeit der Stadtplanung als Instrument der Politik unter dem Diktat der Wirtschaft, also Spekulation. Die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb steuert einen ausführlichen Beitrag zu den Auswirkungen des Klimawandels in Wien bei und belegt die wachsende Häufigkeit von maximalen Sommertemperaturen in Wien und liefert Anregungen für Maßnahmen zur Minderung der Hitze.

Der Grazer Journalist und Fotograf Max Mayr (1928-2012) rüttelte die Grazer Bürger bereits vor Jahrzehnten durch Reportagen und Fotodokumentationen dazu auf, gegen die alltägliche kleine Zerstörung der Altstadt anzukämpfen und eine Institution für den lebendigen Dialog der Engagierten zu schaffen. Durch unzählige Berichte als Mitglied der Redaktion der „Kleinen Zeitung“, durch verschiedene Veranstaltungen und nicht zuletzt durch die Gründung des Internationalen Städteforums Graz als Dokumentations- und Informationszentrums hat er dem Stadtbild von Graz als Ganzes Aufmerksamkeit verschafft. Er forderte Gesetze gegen die Zerstörung der Graz Altstadt und anderer steirischer Altstädte. Seine Bemühungen sind nach wie vor lebendig, auch wenn ihm selbst 2012 der Tod die Feder aus der Hand nahm. Seine Bemühungen haben nicht zuletzt zur Eintragung von Graz 1999 in die Liste des UNESCO-Welterbes beigetragen.

Auch das historische Zentrum von Wien wurde vor nahezu eineinhalb Jahrzehnten in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen (2001). In Wien jedoch liegen die Verhältnisse ganz anders als in Graz. Einen Max Mayr gibt es hier nicht, sieht man von den Bemühungen des 1986 verstorbenen Journalisten und Kritikers Jörg Mauthe ab, der zeitweilig in der Stadtpolitik tätig war. Doch es leben auch heute Aufmerksame wie die Fotografin Margret Wenzel-Jelinek, die mit dem Buch „Wien wertvoll bedroht und behütet“, das bereits 2014 erschienen ist, einen Weckruf gestartet hat, der allerdings von den Verantwortlichen offensichtlich wenig gehört wird. Die zum Teil großformatigen Abbildungen des Buches stellen Wien auf den Prüfstand. Das Ergebnis der vorgeführten visuellen Zusammenhänge ernüchtert. Der Blick der Fotografin ist unbestechlich und einzelne schriftliche Kommentare interpretieren die Bilder ohne Umschweife, wenngleich mit einer gewissen noblen Zurückhaltung. Während Tatsachen bei Architekten und Stadtplanern oft durch unverständliche Vokabeln mehr verschleiert als deutlich gemacht werden, kommt Margret Wenzel-Jelinek mit wenigen Sätzen zum Kern des Problems: „Viele meiner Fotos zeigen, was es bedeutet, wenn Wien den zersplitterten Interessen einer wachsenden Gesellschaft ausgeliefert wird.“ (S. 30). Zwar wurde das Erscheinen des Buches in der Tagespresse mehrfach kommentiert, das Echo in der Fachwelt blieb gering, wenn die Beobachtungen des Autors zutreffen. Allem Anschein nach besteht hier hartnäckige Perzeptionsverweigerung. Das verwundert umso mehr als die Autorin bekannte Persönlichkeiten ihre Fotodokumentation reflektierende Beiträge gewinnen konnte. Eine Verkehrung der städtischen Werte zeigt sich besonders durch die Deformation, durch das Streben nach Höhe und somit nach Geltung und Ausdruck von Macht. An einzelnen Beispielen wird diese Feststellung überdeutlich: „Vermutlich hat der Stadtverwaltung der Rundumblick gefehlt, als man dem Stephansdom den weißen Kasten – ein Hochhaus der Raiffeisen Holding im 2. Bezirk – aufgesattelt hat. So werden die Schätze der Stadt entwertet, wenn man sie nicht verteidigt. Die Stadtplanung, so beweist dieser Vergleich, soll mit der Metamorphose unserer Zeit Schritt halten. Zu spät bemerkte Schäden können allerdings irreversibel sein.“ (S. 30). Die Diagnosen der Fotografin relativieren die Darlegung der Schutzmechanismen durch Rudolf Zunke. Würden die amtlichen Bemühungen greifen, wären die Ergebnisse bestimmt andere, bessere. Wenzel-Jelinek ortet „ungeplante Beliebigkeit“ (S.30).

Peter Sloterdijk diagnostiziert: „Warum wir am Glauben an die Nachwelt zunehmend irre werden. Immer weniger sind wir fähig, die Illusion aufrechtzuerhalten, die Nachwelt werde imstande sein, das wahre Urteil über uns zu sprechen. Wir verlieren diese Illusion, weil wir zu gut wissen, was eine Nachwelt leistet: Wir selber sind ja Nachwelt zu so viel Vorwelt, und wir sehen, dass es um unsere Fähigkeit und Willigkeit, dem vor uns Geleisteten und Erreichten gerecht zu werden, lausig steht. Wenn wir schon so unfähig sind, um wie viel unfähiger werden die sein, die auf uns folgen. Die Konsequenz ist klar: Wir müssen so gut es geht, die Nachwelt in der Mitwelt suchen.“ (in: Zeilen und Tage: Notizen 2008-2011, Suhrkamp, Berlin 2012, S. 91).

Dass die Nachwelt die derzeitigen Vorgänge als Schwäche auslegen wird, könnte rascher geschehen als wir glauben. Margret Wenzel-Jelinek hat versucht, der Nachwelt durch ihre Linse bereits jetzt eine Stimme zu geben. Das Buch ist als Lektüre für aufmerksame Zeitgenossen zu empfehlen.

 Bruno Maldoner

     

Stiller, Adolph; Architektur im Ringturm (Hg.), Mähren, Bauten, Menschen, Wege, franz. Broschur, deutsch/tschechisch, 188 S., mit zahlreichen farb. und s/w Abbl., Salzburg/Wien: Müry Salzmann Verlag 2014, ISBN 978-3-99014-102-1, € 27, 37,80 (CHF)

 

Mähren – Bauten, Menschen, Wege

Im Zuge der Sommerausstellung der Reihe „Architektur im Ringturm warf Architekt und Architekturwissenschaftler Adolph Stiller gemeinsam mit Jan Sapák und Stephan Templ einen neuen Blick auf Mähren. Eine Region an der Nordostgrenze Österreichs gelegen, die zahlreiche Gemeinsamkeiten mit den angrenzenden Gebieten Österreichs aufweist. Viele Wiener stammen aus dieser Gegend, so bedeutende Persönlichkeiten wie Josef Hoffmann, Adolf Loos, Sigmund Freud oder Gustav Mahler. Doch was Generationen noch vertraut war, erscheint durch die historische Entwicklung innerhalb von nur etwa fünf Jahrzehnten etwas in die Ferne gerückt. 8 sorfältig ausgewählte Städte (Bad Luhatschowitz/Luhačovice, Zlabings/Slavonice, Teltsch/Telc, Trebitsch/Třebíč, Iglau/Jihlava, Kremsier/Kromĕříč, Nikolsburg/Mikulov und Znaim/Znojmo) bringen dem Leser die Charakteristika von Mähren näher.

Durch die Beleuchtung der Besonderheiten der über Jahrhunderte gewachsenen mährischen Stadtensembles, die Darstellung einer Auswahl von Spitzenbauten des 20. Jahrhunderts sowie die Präsentation einiger Ensembles der bedeutenden jüdischen Gemeinden, die alle zwischen 1939 und 1945 ausgelöscht wurden, soll das Interesse für diese nahe gelegene Kulturlandschaft wieder neu entflammen.

 

     

Brückler, Theodor; Nimeth, Ulrike; Bundesdenkmal Wien (Hg.), Personenlexikon zur Österreichischen Denkmalpflege (1850-1990), broschiert, 320 S., s/w Abbl., Horn: Verlag Berger, ISBN: 3-85028-344-5, € 29, 31,59 (CHF)

 

Personenlexikon zur Österreichischen Denkmalpflege

Etwa 2.000 Personen – darunter Kunsthistoriker, Historiker, Architekten und Juristen – werden in knappen Biographien dar- bzw. erstmals vorgestellt. Das System der staatlichen Denkmalpflege fußt auf einer breiten nationalen und personellen Hierarchie: beginnend bei den zahlreichen freiwilligen Korrespondenten, die lediglich für die Weitergabe von Informationen sorgten, über die ehrenamtlichen Konservatoren, die den verlängerten Arm der Wiener „Zentralkommission für Denkmalpflege“ darstellten, bis zu den fachlich hochqualifizierten Mitgliedern, unter denen sich Namen wie Albert Camesina, Friedrich von Schmidt oder Friedrich von Kenner finden, war die altösterreichische Denkmalpflege über alle Kronländer hin – von Galizien bis Dalmatien – durch ein Netz von Mitarbeitern vertreten und präsent.

 Das „Personenlexikon“ versteht sich als Informationsquelle und als Anstoß für die regionale und lokale Geschichtsforschung, da zahlreiche Geistliche, Lehrer und Gewerbetreibende zumindest zeitweise als Hilfsorgane der staatlichen Denkmalpflege agierten, was jedoch in vielen Fällen kaum bekannt ist oder war.

 

     

Wiek, Peter; Bundesdenkmalamt Wien (Hg.), Niemandsland zwischen „Alt“ und „Modern“, Bauten und Bauweisen 1850 – 1900, broschiert, 248 S., zahlreiche sw. Abbl., Horn/Wien: Verlag Berger, ISBN 978-3-85028-341-0, € 28, 30,50 (CHF)

 

Niemandsland zwischen „Alt“ und „Modern“ – Bauten und Bauweisen 1850 – 1900

 

Peter Wiek, einer der besten Kenner der europäischen Architektur des Historismus, versucht in diesen Studien – für jedermann verständlich und anschaulich – diese noch immer vielfach gering geschätzte und missverstandene Epoche anhand von über 200 nationalen wie internationalen Beispielen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, zu analysieren und den Nachweis zu erbringen, dass es sich bei den architektonischen Schöpfungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts keineswegs um die vielzitierten Stilkopien handelt, sondern um eigenständige Schöpfungen, die bis heute zumindest für die Großstädte des Kontinents als Umwelt- und Lebensraum weitgehend prägend sind.

 

     

Ingrid, Sonntag (Red.); Sächsische Akademie der Künste, Labor der Moderne, Nachkriegsarchitektur in Europa, broschiert, deutsch/englisch, 216 S., mit zahlreichen s/w Abbl., Dresden: Sandstein Kommunikation GmbH 2014, ISBN 978-3-934367-23-4, € 20 , 21,82 (CHF)

 

Labor der Moderne – Nachkriegsarchitektur in Europa

Abriss oder Weiterbauen? Vor dieser Entscheidung stehen fast alle europäischen Städte im Umgang mit den baulichen Hinterlassenschaften der Nachkriegsarchitektur. Dabei stehen sowohl große Siedlungsstrukturen als auch markante Symbolbauten zur Disposition. Die von der Sächsischen Akademie der Künste herausgegebene Publikation vereinigt konzise Essays zu Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Polen, Tschechien, der Slowakei und der Ukraine über ein weites Themenspektrum, das sich nicht nur auf die architektur- und kunsthistorischen Dimensionen beschränkt, sondern auch urbanistische und gesellschaftliche Kontexte einbezieht.

Architekturhistoriker, Architekten und Stadtplaner zeigen Perspektiven in der Weiterentwicklung einer Architektur die sich in der jüngeren Vergangenheit von einem ungeliebten Stiefkind der Architekturgeschichte zu einem historisch, ästhetisch, aber auch in baupraktischer Hinsicht spannendem Feld von Forschung und Diskussion gewandelt hat. Nicht nur Strategien und Fallbeispiele gelungener Transformationen und Neugestaltung stellt der Band vor, er beleuchtet auch Probleme und Fehlentwicklungen kritisch und stellt die Frage: „Wie soll die Gegenwartsarchitektur aussehen?“  

 

     

Tanzer, Alfons; Departement für Bauen und Umwelt der Donau-Universität Krems (Hg.), Historisch wertvoll, aber öffentlich verkannt, Methodenentwicklung zur Sanierung historischer Bauzeugnisse – am Beispiel Mesnerhaus zu Ellbögen, broschiert, 148 S., zahlreiche Abbl., Zürich: vdf Hochschulverlag, ISBN 978-3-7281-3615-2, € 46, 50,14 (CHF), Kindle Edition € 36,80

 

Historisch wertvoll, aber öffentlich verkannt – Methodenentwicklung zur Sanierung historischer Bauzeugnisse am Beispiel Mesnerhaus zu Ellbögen

Unter dem Einfluss unserer sich stetig ändernden Gesellschaft werden alte, historisch wertvolle Gebäude oftmals bedenkenlos abgebrochen. Dabei geht nicht nur ein Teil unserer Geschichte verloren; häufig wird verkannt, mit welchem Aufwand ältere Generationen diese Bestände aufbauten, pflegten und unter für uns heute unvorstellbaren Bedingungen weiter betrieben. Die Publikation zeigt, wie unter Einbindung der Bevölkerung und einer aktiven Vereinsstruktur die Möglichkeiten für die Bewahrung und Weiterentwicklung des alten Mesnerhauses in Ellbögen (Tirol) erarbeitet wurden. Dazu wurden wesentliche Sanierungsschritte sowie eine Methode zur ökologischen Sanierung entwickelt. Mit den gezeigten Nutzungsmöglichen, insbesondere in seiner Stellung im Dorf, kann das sanierte Mesnerhaus als Beispiel für gleichwertige zu sanierende Gebäude dienen. Das Buch richtet sich einerseits an Fachleute aus dem Baubereich, andererseits an politische Entscheidungsträger, Berater sowie an interessierte Privatpersonen, die sich mit der Sanierung und Revitalisierung des geringen, noch vorhandenen Bestandes an Bauten der Volksarchitektur befassen.

Das Buch richtet sich einerseits an Fachleute aus dem Baubereich, andererseits an politische EntscheidungsträgerInnen, BeraterInnen sowie an interessierte Privatpersonen, die sich mit der Sanierung und Revitalisierung des geringen, noch vorhandenen Bestandes an Bauten der Volksarchitektur befassen.

 

     

Wintersteller, Christian; Kopf,  Bernhard (Hg.), Hier wohnt Salzburg, Die Geschichte der Gemeinnützigen Salzburger Wohnbaugesellschaften, gebunden, 184 S., mit zahlreichen farb. und s/w Abbl., Salzburg: Verlag Anton Pustet, ISBN 978-3-7025-0760-2, € 25 (D, A), 27,73 (CHF)

 

Hier wohnt Salzburg – Die Geschichte der Gemeinnützigen Salzburger Wohnbaugesellschaften

Wohnen ist eines der wichtigsten Grundbedürfnisse eine jeden Menschen – so auch in der  barocken Residenzstadt Salzburg samt Umland, die schon immer  Menschen aus aller Welt magisch anzogen. Im 19. Jahrhundert sprach man noch von einem "Betteldorf mit leeren Palästen", von desaströsen Wohnverhältnissen. Es war ein mühseliger Weg bis zum "Sozialen Wohnbau" in Salzburg, der 100 Jahre alt ist. Seit 75 Jahren ist die gswb, die "Gemeinnützige Salzburger Wohnbau­gesellschaft" – vormals Neue Heimat – im Kampf gegen Wohnungsnot und für ein menschenwürdiges Wohnen für alle tätig. Sie steht je zur Hälfte im Besitz des Landes Salzburg und der Stadtgemeinde Salzburg. Die gswb ist heute die größte gemeinnützige Wohnbauvereinigung im Bundesland Salzburg. In manchen Städten Salzburgs wohnt jeder dritte Bewohner in einem von der gswb errichteten oder verwalteten Haus.  An ihrem Auftrag hat sich in 75 Jahren nichts geändert: leistbaren und menschenwürdigen Wohnraum für alle zu schaffen, vor allem für jene, die sich nur mit Mühe das Leben im teuren Paradies Salzburg leisten können.

Dieses Buch dokumentiert erstmals die Geschichte des Unternehmens aus der Sicht der gswb. Beiträge von Experten aus Wohnbau, Architektur, Bauwesen und Raumplanung runden den reich bebilderten Blick auf 100 Jahre Sozialen Wohnbau in einem der zuzugsstärksten Bundesländer Österreichs ab und geben einen Ausblick in die Zukunft.

• Gründung der gswb
• Kriegsende und katastrophale Wohnungsnot
• Salzburg wird attraktiver Wohnort
• Wende zum modernen Wohnbau
• Wohnen im 21. Jahrhundert

     

Uwe, Altrock (Red.); Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung - SRL (Hg.), DER GROSSE PLAN, Aktuelle Beiträge zum Städtebau, kartoniert, 160 S., zahlreiche farb. Abbl., Berlin: SLR 2013, ISSN 0936-0778, € 28, 30,59 (CHF)

 

DER GROSSE PLAN – Aktuelle Beiträge zum Städtebau

Angeregt von der Ausstellung „Stadtvisionen 1910 | 2010“, die zum 100-jährigen Jubiläum der „Allgemeinen Städtebau-Ausstellung in Berlin 1910“ stattfand, erschien von der Arbeitsgruppe für Städtebau in der SRL e.V. ein Band mit aktuellen Beiträgen zum Städtebau in Deutschland.

Darin wird der Frage nachgegangen, inwiefern es heute gelingt, einen Großen Plan - also ein Innenstadtkonzept, einen Masterplan für ein Konversionsgebiet o.ä. - von der Zielformulierung im Stadtentwicklungskontext über die Gewährleistung einer hohen Prozessqualität in der Umsetzungsphase bis hin zu einem dem Ort angemessenen städtebaulich-räumlichen Ergebnis zu verfolgen. Welche Interessen wirken im Laufe des Prozesses auf das Ergebnis ein? Welche Rolle spielen dabei Planungsinstrumente, politische Entscheidungen, Beteiligung? Wie werden Ziele erarbeitet, Maßnahmen definiert und dann qualitätsvoll so realisiert, dass die Ziele auch erkennbar erreicht werden? Mehrere Fallbeispiele beleuchten komplexe Planungsprozesse mit teilweise bemerkenswerten Ergebnissen.

Zusätzlich wird ein breites aktuelles Spektrum städtebaulicher Lehre, Forschung und Diskussionen schlaglichtartig beleuchtet. Die SRL leistet damit einen Beitrag zur Städtebau-Diskussion, die am Profil der Profession der Planenden ansetzt. Die über 30 namhaften Autorinnen und Autoren verbinden an Beispielen Prozessqualität und Stadtbaukultur.

     

Bundesdenkmalamt Österreich (Hg.), Reihe Fokus Denkmal, Altstadt Melk, Ensembleschutz für ein Stadtdenkmal, kartoniert, 128 S., zahlreiche farb. Abbl., Horn/Wien: Berger Verlag 2014, ISBN 978-3-85028-697-8€ 19,90, 21,73 (CHF)

 

Altstadt Melk – Ensembleschutz für ein Stadtdenkmal

Unterstützt von der Stadt Melk und dem Land Niederösterreich gelang das Vorhaben des Bundesdenkmalamtes zur Ensembleunterschutzstellung der Altstadt von Melk. Insgesamt 150 Bauten im Bereich der Altstadt wurden im Jahr 2012 als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt.

In der Reihe FOKUS Denkmal – die bedeutende Kunst- und Geschichtsdenkmale unter dem Thema der Denkmalpflege vorstellt – liegt für die interessierte Öffentlichkeit nun das Ergebnis der Erforschung dieses Altstadtjuwels mit kurzweiligen Beschreibungen und großzügigen Abbildungsstrecken zur Verfügung. Melk selbst ist seit 2000 Teil des UNESCO-Welterbes Wachau und als solches von besonderer Bedeutung. Die malerische Kulisse des Benediktinerklosters prägt die auf das Mittelalter zurückgehende Altstadt. Zahlreiche innerhalb der ehemaligen, bis heute in Teilen erhaltenen Stadtmauer befindliche Geschäfts- und Bürgerhäuser weisen eine spätmittelalterliche Bausubstanz auf. Während die Gestaltungen der Fassaden aus unterschiedlichen Epochen stammen, erwecken die malerisch gestaffelten Häuserzeilen mit ihren Giebelfassaden bis heute den Eindruck einer mittelalterlichen Stadt. Als Teil der Reihe FOKUS Denkmal stellt das Ensemble Altstadt Melk zudem exemplarisch ein österreichisches Stadtdenkmal dar.

     

Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (Hrsg.), Zukunft Stadtgrün, Nutzen und Notwendigkeit urbaner Freiräume, broschiert, 117 S., mit zahlreichen farb. und s/w Abbl., München: Callwey Verlag, ISBN 978-3-7667-2114-3, € 15 (D, A), 16,35 (CHF)

 

Zukunft Stadtgrün – Nutzen und Notwendigkeit urbaner Freiräume

Die deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur hat für ihr Jahresthema „Zukunft Stadtgrün“ gewählt und gab zum selben Thema ein Buch heraus, das verdeutlicht wie wichtig das Grün in der Stadt ist – lebenswichtig!

Eine bunte Reihe von 20 illustrierten Beiträgen zeigt thematisch an, was Stadtgrün ausmacht, von dessen Qualität und gestalterischem Wert bereits Gustav Meyer vor mehr als 150 Jahren schrieb. Es geht um urbane Qualität, Management, Umweltschutz, Identifikation, Stadtplanung und Gartenkultur, um Friedhöfe, Parks und Alltagsgrün. Das Buch schließt mit einem Ausblick auf die Landschaftsarchitektur in einer geteilten Welt.

Hier wird erinnert, dass die Lage in den meisten urbanen Zentren auf diesem Globus weit entfernt ist von jedem Standard, den wir hier verteidigen oder erstreben. Rund um das Thema Stadtgrün gäbe es also noch weit mehr zu erkunden und zu sagen als dieser Band Platz geboten hat. Die DGGL zeigt mit diesem Band jedoch neue Handlungsspielräume und Anregungen – für eine grüne Zukunft unserer Städte!

 

     

Hassler, Uta; Meyer, Torsten; Rauhut, Christoph; Der Lehrbuchdiskurs über das Bauen, hg. vom Institut für Denkmalpflege und Bauforschung an der ETH Zürich, gebunden, 376 S. mit zahlreichen farb. Abbl., Zürich: vdf Hochschulverlag AG der ETH, 2015;  ISBN 978-3-7281-3686-2, € 65,- (D), 68 (CHF)

 

Architekturgeschichte, Lehrbuchgeschichte

Dieser Band stellt Konzepte für eine Theorie und Lehre der Architektur von der Antike bis zur Gegenwart vor.

Bis ins späte 19. Jahrhundert änderten sich Bauprozesse und -techniken evolutionär. Das 19. Jahrhundert ist auch im Bauwesen geprägt vom Glauben an Fortschritt durch Wissenschaft: Ausgehend vom revolutionären Frankreich, entwickelte sich eine akademische Ausbildung für Bauberufe. Diese Aufsplittung in "Spezialbereiche" des Bauwesens führt einerseits zu großem Detailwissen in einzelnen Fachgebieten, ist aber nicht immer von Vorteil, da die kulturhistorischen Aspekte der Architektur teilweise in den Hintergrund gedrängt werden. Gerade sie aber sind wichtige Bausteine des Bauens im Kontext bestehender Architektur - und dazu zählen bei Weitem die meisten Bauaufgaben der Gegenwart!

Mit den "Spezial-Schulen" kommen die Lehrbücher. Sie sind oftmals Konstruktionslehren nach Baustoffen ("Holzkonstruktionen", "Steinbau") oder Gebäudelehren (z.B. Muster­ent­würfe für öffentliche Bauten). Bis ins 20. Jahrhundert hinein zeigen Lehrbücher zudem Beispielsammlungen gebauter Konstruktionen – weitergehende Forschung entwickelt sich weniger im Kern der Disziplin als an ihren Rändern. Zudem bleiben sie stets abhängig von Kontext und Zeit: das Lehrbuch ist – bis heute – zeitgebunden, abstrakt und un­persönlich. Einzelne Lehrbücher werden dabei von Generation zu Generation unhinterfragt weitergereicht, ihre inhaltliche Ausrichtung schreibt dabei manchmal Stereotype fort, die gesellschaftlich längst in Frage gestellt werden.

 

     

 

 

Caspary, Uta; Ornamente der Fassade in der europäischen Architektur seit den 1990er Jahren  Broschur, 336 S. mit zahlreichen farb. und s/w Abbl., Berlin: Jovis 2013,  ISBN 978-3-86859-233-7, € 35,- (D, A), 45 (CHF)

 

Seit Adolf Loos hat das Ornament in der Architektur des Abendlandes einen schwierigen Stand. Doch je aufmerksamer man durch europäische Städte wandert, desto mehr Ornamentik findet man.

Die Autorin liefert in ihrer Einleitung alle streitbaren Argumente für und wider das Ornament und sie bereitet in mehreren architekturhistorisch fundierten Kapiteln auf die Ornamentik seit den 1990er Jahren vor. Ihr Blick streift die Diskussionen ausgelöst von Gottfried Sempers Bekleidungstheorie über das frühe 20. Jhdt. mit Louis Sullivan und Otto Wagner, dem schon erwähnten Adolf Loos und die Auffassung der postmodernen Architekten.

Die Auswahl an Beispielen belegt, dass das Ornament nie verschwunden war und das auch im Architekturdiskurs die Befürworter des Ornaments gegen den bloßen Funktionalismus in Architektur und Design ihre Stimmen erhoben. Gerade für die Architektur der Nachkriegszeit gerät das Ornament, das von den Nationalsozialisten vorwiegend nationalpolitisch instrumentalisiert wurde, in die Nähe denkmalpflegerischer Überlegungen. Da die Materialität  der Nachkriegsarchitektur jedoch bescheiden ist, geraten  die Ornamente dieser "Aufbauphase" in Europa in Bedrängnis. Ein Grund mehr, sich der Publikation eingehend zu widmen.

GSL

     
 
 

Stiller, Adolph; Architektur im Ringturm, Hg.;Theophil Hansen. Klassische Eleganz im Alltag,  Broschur, 199 S. mit zahlr. farb. und s/w Abbl., Salzburg: Müry Salzmann 2013,  ISBN 978-3-99014-076-5, € 35 (D, A), 49,00 (CHF)

 

Wien um 1900 ist mittlerweile eine weltbekannte MARKE. Sie wäre ohne den baukünstlerischen Ruf Theophil Hansens nicht denkbar.

Der 1813 in Kopenhagen geborene Hansen lernt bei Friedrich Schinkel und kommt über Umwege 1846 nach Wien, als eben eine junge Architektengeneration - Van der Nüll, Siccardsburg, Schmidt und Ferstl - darangehen, die erstmals für eine Verbauung freigegebene Ringstraße als neuen Stadtteil zu bebauen.

Anlässlich des 200. Geburtstages von Theophil Hansen sind seinem Schaffen mehrere Ausstellungen und Publikationen gewidmet: Die Ausstellung im Ringturm eröffnet den Reigen und bietet mit dem begleitenden Katalog eine schon bekannte Kombination von Ausstellung und Publikation, für die Adolph Stiller verantwortlich zeichnet.  Fundierte inhaltliche Beiträge in ästhetischer Aufbereitung machen neugierig, verleiten danach, mehr in Erfahrung zu bringen, mehr zu sehen.

Viele seiner Werke sind bis heute in Wien begeh- und erfahrbar, sie prägen das Stadtbild als dominante Elemente der Stadtbaukunst im späten 19. Jahrhundert. Jedoch verdient vor allem die Rezeption von Hansens Werk einen intensiveren Blick, die Rolle seiner Werke für die Entwicklung der internationalen Moderne, im Vergleich zu Otto Wagner oder Adolf Loos.

Sehr empfehlenswert! Die Ausstellung im Ringurm der Vienna Insurance Group läuft noch bis 6. September 2013.

GSL

     
 
 

Lange, Bastian; Prasenc, Gottfried; Saiko, Harald, Hg.; Ortsentwürfe, Urbanität im 21. Jahrhundert,  Broschur, 224 S. mit zahlr. farb. und s/w Abbl., Berlin: Jovis 2013,  ISBN 978-3-86859-229-0, € 25 (D, A), 32,80 (CHF)

 

Der Stadt ist Wandel immanent. Nur so kann sie seit einigen 1000 Jahren als Siedlungsform überleben, ja konnte sie sich im Laufe des 20. Jhdts. zur dominanten Siedlungsform entwickeln.

Was ist nun an der Urbanität des 21. Jhdts. neu oder anders? Ist es wirklich so, wie die Autoren beschreiben, dass erstmals Menschen aktiv ihre Wohn- und Lebensäume mitgestalten wollen? Dass durch selbstorganisierte Initiativen der städtische Raum eine neue Definition erfahren soll und ein "neues Stadtleben" dadurch sichtbar wird?

Vieles "NEUE" aus dieser Publikation basiert in Wirklichkeit auf historischen Entwicklungen, aber die Rahmenbedingungen dazu haben sich selbstverständlich geändert. NEU sind auch die sozialen Medien, die den Stadtraum nun für sich beanspruchen, ja eine noch nie dagewesene Möglichkeit schaffen, den öffentlichen Raum als Handlungsraum zurückzuerobern und darin liegt ein großer Unterschied zu früheren Entwicklungen.

Die exemplarischen Analysen städtischer Orte halten Ausschau nach diesen "neuen Bedingungen der Urbanität" vor geänderten sozialen, politischen, kulturellen und ökonomischen Vorgaben.

GSL

     

 

 

Wagner, Anselm, Böck, Ingrid, Hg.; Konrad Frey: Haus Zankel. Experiment Solararchitektur. Broschur, 160 S. mit 20 farb. und 200 s/w Abbl., Berlin: Jovis 2013,  ISBN 978-3-86859-216-6, € 24,80 (D, A), 32,80 (CHF)

 

Anselm Wagner, Professor am Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU-Graz nimmt sich dankenswerter Weise den Werken  der Grazer Architektinnen und Architekten im Kontext der "Grazer Schule" an (siehe unten).

Für das in Prévessin bei Genf gelegene Haus des CERN-Physikers Karl Zankel könnte die Aussage "was lange wehrt, wird gut" fast paradigmatisch gelten, denn das Haus entstand im Laufe von 9 Jahren. Die auf verwandschaftliche Beziehungen basierende Wahl eines Grazer Architekten erleichterte das Bauvorhaben nicht unbedingt, denn die Kommunikation zwischen Bauherrn und Architekt erfolgte bevorzugt schriftlich. Für die Nachwelt ist dies ein günstiger Umstand, denn im Archiv von Architekt Konrad Frey lässt sich so der Entwurfs- und Bauprozess penibel nachvollziehen, gibt interessante Einblicke und Überlegungen preis, die bei Baugesprächen selten Eingang in ein Protokoll finden.

Das Werden des Hauses spiegelt in seiner endgültigen Form die Vielschichtigkeit der Experimentierfreude der Hauptpersonen: Bauherr und Architekt. Nicht das Haus aus "einem Guss", sondern die Freude am Finden adäquater Raum- und Techniklösungen prägen den Bau. Das Ergebnis zeigt bis heute ein repräsentatives Haus, Wohnraum für eine Familie mit Kindern, technisches Novum als Solarhaus und bietet bis heute einen Raum, der zum Entdecken einlädt, überraschende Ein- und Ausblicke bietet und neugierig macht auf das Entdecken.

GSL

     

 

 

Edition Garten+Landschaft, Hg.; Land-schaftsarchitekten. Profile - Projekte - Produkte.  Kartoniert, 23x24 cm, 160 Seiten, ISBN: 978-3-7667-2068-9  € 19,95 (D)

 

Für das ISG kommt die Publikation "Landschaftsarchitekten" wie gerufen, anlässlich der Beschäftigung mit dem Thema "Mitten am Rand. Stadt-, Orts- und Siedlungsbilder außerhalb der Zentren". Denn in Stadtverdichtungszonen, an den Rändern der historischen Stadt darf die Verdichtung nicht das alleinige Credo einer Stadtentwicklung werden. Umso wichtiger gestaltet sich die Frage nach dem Naturraum, der Landschaft, dem Park, dem Garten in der dichten Stadtstruktur und an ihren losen Rändern.

Werden Grünflächen und Parkanlagen in den historisch geprägten Stadtteilen erhalten und gepflegt, so sieht es in jüngeren Stadtentwicklungsgebieten und vielen "Randsiedlungen" viel trauriger aus. Trotz hoher Bevölkerungsdichte bleibt gestalteter Grünraum, der als Naherholungsraum unerlässlich für das Stadtleben ist, oftmals zu klein dimensioniert und in der Gestaltung vernachlässigt. Spiel- und Erholungsraum in gestalteten Freiräumen stellen einen hohen Wert europäischer Städte dar, einige Projektbeispiele zeigen, wie unkonventionell und kreativ auch Bestandsstrukturen auf diesen Flächen mitgenutzt werden können.

Die vorgestellten Landschaftsarchitektinnen- (!!!) und architekten, die oft in Bürogemeinschaften zusammenarbeiten erleichtern den Zugang; die jeweiligen Projektvorstellungen ermöglichen einen raschen Einblick zur Orientierung und dokumentieren die Unterschiedlichkeit der Zugänge zu Landschafts- und Freiraumplanung.

Anregend - und ein Basiswerk zum Nachschlagen... leider nur für Deutschland!

GSL


 

Wagner, Anselm, Senarclens de Grancy, Antje, Hg.; Was bleibt von der Grazer Schule. Architektur-Utopien seit den 1960ern revisited. Broschur, 304 S. mit 224 farb. und s/w Abbl.,Berlin: Jovis 2012,  ISBN 978-3-86859-215-3, € 29,80 (D, A), 42,00 (CHF)

 

 

 

"Was bleibt von der Grazer Schule?" - ist eine berechtigte Frage, wenn heute die Bauten der Grazer Schule ohne Rücksprache mit den noch lebenden Architektinnen und Architekten umgebaut, abgebrochen oder willkürlich "energieoptimiert" also verändert und zerstört werden dürfen!

Viele Projekte der "Grazer Schule" sowie Diskussionen zu Ihrem Bestehen wurden im Laufe der Jahre publiziert und auch im vorliegenden Werk finden sich paradigmatische Beispiele einer architektonischen Vielfalt, die erst sukzessive den Namen "Grazer Schule" angenommen hat und deren Zugehörigkeit von den Proponenten immer wieder in Diskussion gestellt wurde . Die vorliegende Publikation behandelt jedoch auch intensiv die theoretischen Konzepte und strukturalistischen Entwürfe dahinter. Die Beiträge der namhaften Vertreter dieser Richtung sichern den Blick auf das Phänomen "Grazer Schule" quasi aus der Selbstreflexion und liefern damit eine wichtige Quelle für die Beurteilung der Werke für zukünftige Generationen.

Die beständige Diskussion der Denkmalpflege einen Zeitpunkt zu definieren, ab wann ARCHITEKTUR vom Attribut "zeitgenössisch" in den Denkmalstatus zu transferieren sei, erfährt hier eine kritische Auseinandersetzung und theoretische Bereicherung. Diese Fragestellung zeigt insbesondere auf, dass der Umgang "öffentlicher Institutionen" - wie Universitäten, Bundes- oder Landesimmobiliengesellschaften etc. als Verantwortliche für Schöpfungen dieser Architekturperiode besonders rücksichtslos mit den Bauwerken umgehen. Umso rascher sollte eine neue Statusmeldung für die Denkmalpflege mit den Vorzeichen "schützenswert" erfolgen!

GSL


 

 

Wolfram, Herwig, Hg.; Geschichte der Juden in Österreich, Gebunden, 728 S. 100 farbige  Abbildungen, Format 24,0 x 16,5 cm Wien, Verlag Ueberreuter. ISBN 978-3-8000-7559-1, € 24,95 (D, A), 35,50 CHF

 

Die Geschichte des Judentums in Österreich ist schwierig zu erfassen, zumal  eine Aufarbeitung der grausamen Geschichte der Vertreibung und Ermordung der europäischen Juden des 20. Jahrhunderts bis heute in Gesellschaft und Politik von Ressentiments begleitet ist.

Umso wichtiger ist dieses Basiswerk zur Geschichte der Juden in Österreich, das die Entwicklung vom Mittelalter bis zur Gegenwart aufgreift und die bedeutende Rolle von Jüdinnen und Juden für die österreichische Geschichte belegt. Die Publikation erfasst, was viele historisch interessierte Leserinnen und Leser, die sich für die lokale Erforschung der jüdischen Geschichte in einzelnen Landesteilen engagiert haben, schon lange als Nachschlagewerk suchen!

Die rasche 2. Auflage des 728 Seiten umfassenden Werkes dokumentiert das Interesse an der Thematik, das lange noch nicht zu den "aufgearbeiteten Kapiteln der österreichischen Geschichtsschreibung" zählt.

Autorinnen und Autoren wie Martha Keil, Eveline Brugger, Barbara Staudinger, Christoph Lind und Albert Lichtblau zeichnen die jüdische Geschichte in Österreich bzw. den Ländern der Monarchie nach.

GSL

 
 

Pollak, Marianne; Vom Erinnerungsort zur Denkmalpflege. Kulturgüter als Medien des kulturellen Gedächtnisses, Wien: Böhlau 2009; Gebunden, 149 S. farbige und s/w Abbildungen, ISBN 978-3-205-78478-4, € 39,00 (D, A)

 

Die vom Bundesdenkmalamt herausgebrachte Publikation greift ein wichtiges Thema des "kulturellen Gedächtnisses" auf: Erinnerungsorte waren nicht immer Orte der Denkmalpflege, sind es aber im Laufe der abendländischen Geschichte geworden. Sie sind heute der materielle Ausdruck unseres Geschichtsbewußtseins und sollten als solche erhalten werden.

Wie schwierig der Anspruch des "Erhaltens der Kulturgüter" ist, lässt sich nicht nur in der Historie nachvollziehen, wir können dies auch in der Tagespresse gut verfolgen: Wieviel Schutz genießen unsere Denkmal- und Erinnerungsorte und ab wann ist deren Bedeutung  für die Gesellschaft, das kollektive Bewußtsein so groß, dass eine Gefährdung nicht mehr gefürchtet werden muss, ja dass der Schutz und die Erhaltung außer Frage stehen?

Die Autorin analysiert von den Anfängen des "Geschichtsbewußtseins" bis in das Jahr 1850. Ein zweiter Band, der endlich die Geschichte der Denkmalpflege bis in die Gegenwart aufarbeitet, und v.a. die Problematik der Erhaltung von Nachkriegszeugnissen im Sinne der Denkmalpflege analysiert, wäre wünschenswert.

Redaktion

 
 

Hochreiter, Otto; Töpfer, Christina; Eyes on the City. Urbane Räume in der Gegenwartsfotografie; Gebunden, 52 S. farbige und s/w Abbildungen, Format 21 x 24 cm Salzburg, Verlag Pustet. ISBN 978-3-7025-0677-3, € 24,00 (D, A)

 

Eyes on the City thematisiert den Wandel des Stadtraumes als inhomogenen Ort mit subjektivem Blick. Nicht Architektur oder Städtebau in der Großform treten in den Bildern der Fotografen zutage sondern wie wird StADT wahrgenommen, genutzt, interpretiert usw.

Fotografien von Olivo Barbieri, Peter Bialorzeski, Sabine Bitter/Helmut Weber, Hin Chua, Lee Friedlander, Aglaia Konrad, Anne Lass, Paul Albert Leitner und Simona Rota lassen uns ihre Sicht der Stadt nachvollziehen.

Die Texte der renommierten Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Theorie der Fotografie, Architektur und Urbanismus unterstreichen die komplexen und kritischen Zugangsweisen im Blick auf Stadt und Gesellschaft. So schreibt beispielsweise Jean-Francois Chevrier über "Das Urbane: Räume und Territorien in Bildern" oder Elke Krasny über "Boulevards, Banlieues: Transurbane Interventionen zu den Bildern von Sabine Bitter/Helmut Weber.

Für Stadt-, Architektur und Fotoliebhaber wichtig!

Redaktion

 

Necker, Sylvia; Hitlerbauten in Linz. Wohnsiedlungen zwischen Alltag und Geschichte. Hg. Nordico Stadtmuseum. Gebunden, 240 S. durchgehend farbig und s/w Abbildungen, Format 26,5 x 22,5, Salzburg, Verlag Pustet. ISBN 978-3-7025-0679-7, € 24,00 (D, A)

 

Was tun mit dem Erbe der nationalsozialistischen Architektur?

Das "Deutsche Reich" hat für viele Städte raumgreifende, jeden Maßstab sprengende Entwürfe geliefert; in der Rückschau müssen wir dankbar dafür sein, dass die Gigantomanie der architektonischen Konzepte nur in wenigen Städten gebaut wurde.

Linz war in mehreren Varianten eine von den Nationalsozialisten besonders begehrte Stadt und bot mit seiner kriegswichtigen Industrie (Hermann-Göring-Werke) auch den Boden für immense Bautätigkeit im Wohnbau. In Linz ist die Dichte der "Hitlerbauten" so ausgeprägt, dass die Architektur im Stadtraum nicht in den Hintergrund gedrängt werden kann. Die AutorInnen haben also das Naheliegende getan, sie haben sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit den gebauten Relikten der nationalsozialisitischen Diktatur beschäftigt.

Das Bauerbe der Nationalsozialisten ist im Wohnbau ein bis heute mit Leben erfülltes Erbe. Umso schwieriger ist die Frage nach der historischen, städtebaulichen, architektonischen, sozialgeschichtlichen Bedeutung zu beantworten. Außer Frage steht, dass die intensive Bautätigkeit in wenigen Jahren das Stadtbild von Linz stark verändert hat. Waren auch die ästhetischen Momente sehr zurückgedrängt, so konnte die Siedlungsstruktur ein "Heimatgefühl" wecken und meist mit gutem Wohnkomfort bei den Menschen punkten.

Die mit vielen interessanten und z.T. raren Fotografien illustrierte Publikation erweitert das Verständnis im Umgang mit dem Bauerbe des 20. Jhs. und der schwierigen Beurteilung zur Frage des Denkmalstatus der Architektur dieser totalitären Jahre.

GSL

 

Kronhagel Christoph, Hg.; Mediatektur. Die Gestaltung medial erweiterter Räume. gebunden, Hardcover, 448 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen; Verlag: Springer, Wien 2010. ISBN 978-3-7091-0302-9, € 68,04 (D, A), 8500 (CHF)

 

Fassaden sind für die Architektur, was die Haut für den Menschen ist: Äußeres Erscheinungsbild, Kommunikationsmedium zum umgebenden Raum, Abgrenzung zwischen Innen- und Außen uvm.

Fassaden sind Bedeutungsträger: Ob öffentliches Gebäude oder privater Rückzugsort, über die Fassade lässt sich auch die Funktion von Architektur definieren und ablesen.

Was passiert aber mit Architektur, wenn sich die Grenzen zwischen physischen und virtuellen Räumen nicht nur durch Glas - wie wir das schon seit dem 19. Jhdt. kennen, sondern durch den Einsatz elektronischer Medien aufheben. Welche Bedeutung trägt die Architektur in den umgebenden Raum, wenn die Fassade ein bewegtes Medium ist, das seine Aussage verändern kann?

Christoph Kronhagel, anerkannter Fachmann für Medienfassaden und Technik, schuf den Sammelbegriff Mediatektur, einem Zusammenschluss der Worte „Medium“ und „Architektur“. Sein Buch nähert sich dem neuen Phänomen methodisch, in Form von Bausteinen, die grundlegendes Wissen zur mediatektonischen Arbeit, insbesondere für Medienfassaden, bieten.

Die Mediatektur betreibt eine konsequente Fortsetzung der Auflösung der tektonischen Fassaden, die mit dem Einsatz großer Glasflächen in der Moderne begonnen hat! Die Fassade als veränderlicher Bestandteil von Architektur und Baukultur macht einen Schritt in die Virtualität!

GSL

 

Jan Gehl, Leben zwischen Häusern, Schweizer Broschur im Format  23,8 x 16,8 cm, 200 Seiten mit 320 s/w Abbildungen, Jovis, Berlin 2012, ISBN 978-3-86859-146-0, € 28,-.

 

Dieses Buch des dänischen Architekten Jan Gehl, das erstmals 1971erschien, zählt bereits zu Klassikern der Literatur zum Thema Stadtplanung und ist dennoch hochaktuell. Die nun erschienene deutsche Ausgabe ist eine Überarbeitung des Originaltextes, die auch einige neue Abbildungen und Statistiken enthält.

Der Autor zeigt in vier Kapiteln, dassdie gewachsene Struktur der Städte nicht in einem bestimmten Zustand eingefroren werden kann, sondern dassder öffentlichen Raum immer wieder neu bewertet und an die neuen Bedürfnisse angepasst werden sollte.

Im Zentrum seiner Betrachtungen steht dabei der Mensch als Bewohner der Städte und sein Bedürfnis nach sozialer Interaktion. Dabei fragt er sich auch was der Einzelne braucht um sich in einer urbanen Umgebung wohlzufühlen und wie man diesen Zustand planerisch herbeiführen kann. Dabei werden gelungene und nicht so gelungene Beispiele aus der ganzen Welt miteinander verglichen. Auch zeigt er auf, wie Planungsentscheidungen auf den Ablauf von Aktivitäten einwirken können und so bessere oder auch schlechtere Bedingungen für Aktivitäten im Freien schaffen und damit lebendige oder aber eben auch tote Städte kreieren können. Im letzten Kapitel wird erläutert, wie öffentliche Räume im Sinne der Fußgänger gestaltet sein müssen, damit diese zum Gehen, zum Stehen, zum Sitzen, zum Sehen, Hören und Sprechen einladen.

Dieses überaus eingängig geschriebene Buch ist nicht nur für Stadtplaner, Architekten und Soziologen überaus interessant zu lesen sondern auch für jeden an der Materie interessierten Laien. Den Fotos merkt man leider an, dass ein Großteil von ihnen noch aus den 70er Jahren stammt, von denen einige recht grobkörnig oder unscharf sind. Ein Austausch einiger dieser Bilder hätte dem Werk sicherlich gutgetan. Die Ergänzungen des Originaltextes durch neuere Studien sind hingegen recht gut gelungen.

Mag. Ute Hörmann


 

Lieselotte Hanzl-Wachter. Hofburg zu Innsbruck. Architektur, Möbel, Raumkunst. Repräsentatives Wohnen in den Kaiserappartements von Maria Theresia bis Kaiser Franz Josef., 2004, 186 S.; 63 schw.-w. u. 97 farb. Abb.
28 x 21 cm, Gb. mit Schutzumschlag,
Preis: € 39.00 (Unverbindliche Preisempfehlung), 978-3-205-77202-6

 

 

Die Hofburg zu Innsbruck zählt neben der Wiener Hofburg und dem Schloss Schönbrunn zu den bedeutendsten Kulturbauten Österreichs. Ihre Innenraumgestaltung war einerseits durch das Erfordernis zur öffentlichen Repräsentation geprägt, andererseits aber auch durch den persönlichen Geschmack der jeweiligen Zeit.

Der vorliegende Band ist bereits der siebzehnteaus der Reihe der Publikationen der Museen des Mobiliendepots. Die Kunsthistorikerin Lieselotte Hanzl-Wachter hat in mühevoller Kleinarbeit etliche Grundrisse, Entwürfe zu Einrichtungsgegenständen, historische Innenaufnahmen als auch Fotos von noch existierenden Möbeln und Stoffen zusammengetragen. Ergänzt durch persönliche Briefe, Rechnungen und diverseoffizielle Schreiben schafft sie es, eingebettet in die österreichische Geschichte, die unterschiedlichen Phasen der Innenraumgestaltung der Hofburg zu Innsbruck überaus lebendig wiederaufleben zu lassen.

Das Buch ist flüssig und leicht lesbar geschrieben, was es nicht nur für Fachexperten interessant macht. Recht interessant, wenn auch etwas kurz, ist das letzte Kapitel zum Thema „Haustechnik“, das sich mit Hygienemobiliar und Beleuchtungskörpern beschäftigt.Beachtenswert ist auch der im Umschlag abgedruckte, reich bebilderte Stammbaum des Hauses Habsburg Lothringen.

 

Mag. Ute Hörmann


 

 

Klaus Semsroth / Michael Mönninger / Christiane Crasemann Collins (Hg.) Camillo Sitte Gesamtausgabe; Band 2 Schriften zu Städtebau und Architektur, Hardcover mit Schutzumschlag im Format 25 x 17 cm, 623 Seiten mit zahlreichen Schwarzweißabbildungen, Böhlau Wien Köln Weimar 2010, ISBN 978-3-205-78566-8,
€ 69,-

 

 

Die außerordentliche Bedeutung der städtebaulichen Thesen von Camillo Sitte für das Etablieren und Intellektualisieren des Städtebaus als Fachdisziplin steht international außer Diskussion. Das vorliegende Band 2 dokumentiert Camillo Sittes Aufsätze zu Architektur und Städtebau und ergänzt seine in Band 1 präsentierten kunstkritischen Schriften. Vier weitere Bänder, von denen drei bereits erschienen sind, vervollständigen das vielfältige Bild von Sitte als (Bau-)Künstler, Wissenschaftler, Lehrer und Schriftsteller. Das Band umfasst 54 Aufsätze von Sitte, veröffentlicht in Fachzeitschriften und Tageszeitungen. Die Schriften nehmen Bezug zu nahezu allen aktuellen Wiener Architektur- und Stadtbaufragen und zeigen Sitte als polemischen, aber auch wissenschaftlich fundierten Kritiker und Architekten, der sich aktiv für zeitgemäße Lösungen einsetzt.

Im einleitenden Teil des Bandes wird der Leser mit vier Beiträgen von Wilfried Posch, Michael Mömminger und Mario Schwarz in Sittes Schriften eingeführt.

Der sehr ausführliche Beitrag von Posch behandelt den geistigen und politischen Kontext für Sittes Arbeiten, die Zeitschriften und insb. das Neue Wiener Tagblatt, Sittes Stellung im Fach Städtebau und den Vernetzungen mit den französischen und englischen Vorbildern. Einen besonderen Mehrwert für die Publikation bringen Poschs Erforschungen über die Genese des Begriffs „Städtebau“ und die Rolle Sittes dabei. In diesem Beitrag werden auch die geistigen Bezüge zu Loos, Unwin und Le Corbusier erforscht. Mömminger behandelt in zwei Beiträgen Sittes Zeitschrift Der Städtebau, die den Fachdiskurs ab 1904 über drei Jahrzehnte prägte und die Bedeutung Gottfried Sempers für Sittes fachlichen Werdegang. Schwarz thematisiert den kritischen Charakter von Sittes Schriften. Der einleitende Teil beinhaltet eine reichhaltige Literaturliste zu den behandelten Themen.

Im Anhang finden sich Bildnachweis, Namenregister und Kurzbiographien der Herausgeber und Autoren. Das Buch richtet sich an Stadt- und Raumplaner, Architekten und Kunsthistoriker, aber auch an Vertreter der Geschichtswissenschaften.

Dr. Grigor Doytchinov


 

Antje Senarclens de Gracy, Heidrun Zettelbauer (Hg), Architektur.Vergessen. Jüdische Architekten in Graz.
Softcover im Format 17 x 24 cm. 300 Seiten mit zahlreichen Abbildungen in Schwarz-Weiß. Böhlau-Verlag Wien, Köln, Weimar, 2011, ISBN 978-3-205-78472-2,   €  35,-

  Der Titel lässt eine Dokumentation des „jüdischen Anteils“ in der Grazer Architekturgeschichte erwarten. Doch schon im Vorwort halten die beiden Herausgeberinnen ihr Anliegen fest, das Vergessen selbst zu thematisieren. Am Beispiel von Architektur und den Biografien von Architekten soll die Frage nach der Vielschichtigkeit und den Mechanismen des Tradierens aufgeworfen werden. Die AutorInnen nähern sich der Frage interdisziplinär aus den Bereichen Kunstgeschichte, Geschichte, Architektur, Kulturanthropologie und Europäischen Ethnologie.

Der Fokus liegt auf fünf, in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Graz errichteten Bauten: das erste Grazer Arbeitsamt, das Margaretenbad, die Zeremonienhalle am Israelitischen Friedhof, das Kinderheim Lend sowie die genossenschaftlich errichtete Stadtrandsiedlung Amselgasse. Gemeinsam ist diesen Bauten, dass sie ganz oder nahezu abhanden gekommen sind. Den Architekten und Baumeistern dieser Gebäude – Alexander und Bruno Zerkowitz, Eugen Székely und Franz Schacherl – ist die jüdische Identität gemeinsam und dass sie lange aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden waren.

Die aus unterschiedlichen Blickwinkeln von 15 AutorInnen hervorgegangenen Texte – auch als „Splittertexte“ bezeichnet – wollen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Das zugrunde liegende Konzept wirft ganz grundsätzlich die Frage nach der Vielschichtigkeit des Gedächtnisses materieller Orte und Spuren auf und bemüht sich um verschiedenste Zugänge.

Ein anspruchsvolles Buch, das sich vorwiegend an ein interessiertes Fachpublikum richtet. 

 

Dr. Wiltraud Resch


 

Tobias Daniel Wabbel, Die Templerkathedrale. Der Geheimcode von Chartres.
Hardcover im Format 14 x 22 cm. 254 Seiten mit 35 Schwarzweiß-Abbildungen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2012, ISBN-13:  978-3-579-06567-0,  € 20.60
  Der auf naturwissenschaftliche und theologisch-philosophische Grenzfragen spezialisierte Autor Tobias Daniel Wabbel hat sich bereits in seinem 2010 erschienenen Buch „Der Templerschatz“ auf die Spurensuche nach den geheimnisvollen Bauprinzipien der gotischen Kathedralen begeben. Standen in diesem Buch die Kathedralen St.Denis, Chartres und Laon im Mittelpunkt, so konzentriert sich der Autor in dem nun vorliegenden Buch auf die Kathedrale von Chartres.

Unter den nahezu 150 zwischen 1150 und 1250 errichteten bzw. begonnenen Kathedralbauten in Frankreich ist sicher jene von Chartres am faszinierendsten. Sie ist nicht nur die erste, in der die Gotik ihre Vollendung fand, sondern auch die interessanteste. Für Wabbel bedeutet die Bauplastik des West- und Nordportals den Schlüssel für die Kathedrale. In den Darstellungen der sieben freien Künste an zentraler Stelle und in der Kapitellplastik findet er Hinweise auf die berühmte Schule von Chartres, die sich auch mit jüdischer Gelehrsamkeit, den mythischen Zahlender Pythagoräer und der Ideenlehre Platons auseinandersetzte. Die dem Bau zugrunde liegenden Maße sowie die Ikonografie der Portale geben dem Autor Auskunft über die Finanziers, Organisatoren, Bauplaner und Steinmetzen. Vor allem weisen sie auf eine Kathedrale unter der Kathedrale und führen schließlich zu sensationellen Erkenntnissen über die alttestamentarische Bundeslade mit den Gesetzestafeln.

Das Buch von Tobias Daniel Wabbel präsentiert sich als spannende Lektüre. Dies gilt sowohl für Leser, die sich in diesem Buch erstmals mit dem 12. und 13. Jahrhundert auseinander setzen, wie auch für Fachleute, die durch Hinweise auf unscheinbare, aber äußerst aussagekräftige Bauplastik und einen umfangreichen Literaturhintergrund auf ihre Rechnung kommen.

 

Dr. Wiltraud Resch


 

Ursel Borstel, Elke Papouschek, Veronika Schubert: Die schönsten Gärten Österreichs entdecken. Hardcover im Format 23,5 x 28,5 cm. 207 Seiten, Bildband in Farbe mit Begleittext. Deutsche Verlags-Anstalt, ISBN: 978-3-421-03841-8,  € 39,90
 
  Wie der aus Fernsehen und Radio bekannte Biogärtner Karl Ploberger in seinem Vorwort hervorhebt, verbindet man Österreich mit Kulturstätten und alpinen Paradiesen, jedoch weniger mit Gartenanlagen. Das Buch beweist jedoch, dass Österreich in den letzten Jahrzehnten zu einem Geheimtipp für Gartenliebhaber geworden ist. 26 Gärten zwischen Bodensee und Neusiedlersee wurden ausgewählt, die vom heimischen Bauerngarten über mediterrane Gartenanlagen bis zu englischen Cottagegärten alle Facetten widerspiegeln.

Schon das erste Durchblättern bedeutet ein Vergnügen aufgrund der qualitätsvollen, großteils ganz- oder doppelseitigen Abbildungen, die von Ursel Borstell, der bekanntesten Gartenfotografin im deutschsprachigen Raum, stammen. Der Kreativität der Gartenbesitzer scheinen keine Grenzen gesetzt, ob die Gärten kunstvoll gestaltet, natürlich wirkend oder sogar mit alten Möbeln angereichert sind. Vorwiegend haben sich die Besitzer und Besitzerinnen ihr Fachwissen autodidaktisch, mit viel Freude am Experimentieren angeeignet. 

Den beiden Gartenbautechnikerinnen Veronika Schubert und Elke Papouschek gelingt ein Begeleittext, der fern von jedem Fachjargon die Eigentümlichkeiten und Wunschvorstellungen der Gartenbesitzer bei der Anlage ihrer Gartenträume vermittelt. Arrangements von Blumenstauden mit ausgeklügeltem Farbenspiel sind klar verständlich beschrieben, so dass einer Nachahmung nichts im Wege steht. Genaue Adressen- und Zeitangaben für Besichtigungen bieten außerdem die Möglichkeit, sich vor Ort von den Gartenanlagen bezaubern zu lassen.

Sollte jemand noch kein Gartenliebhaber sein – nach dem Durchblättern dieses Buches ist er es gewiss.

Dr. Wiltraud Resch


 

Christoph Mäcker, Wolfgang Sonne,
Hg. Deutsches Institut für Stadtbaukunst: Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt. 
Format 21 x 25 cm, 200 Seiten, zahlreiche Schwarzweiß-Abbildungen. Verlag Niggli AG, Sulgen/Zürich 2011. Softcover  ISBN 978-3-7212-0778-1. 
 38,-

 

  Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer Konferenz, die das Deutsche Institut für Stadtbaukunst an der Technischen Universität Dortmund am 11. und 12. März 2010 in der Rheinterrasse in Düsseldorf veranstaltet hatte. Bei diesem Treffen handelte es sich nicht um das Treffen eines Fachzirkels, sondern erstmalig setzten sich die Konferenzakteure aus Architekten, Stadtplanern, Soziologen, Journalisten, Philosophen, Politikern und Verkehrsplanern zusammen.

Den Ausgangspunkt für die Konferenz bildet die Tatsache, dass in den letzten sechzig Jahren kein nennenswerter Platzraum entstanden ist, der in seiner Qualität mit einer Piazza Navona, der Place des Vosges oder irgendeinem namenlosen mittelalterlichen Platz zu vergleichen wäre. Wie an den Bürgerprotesten der letzten Jahre ersichtlich, beginnt die Gesellschaft dies auch wahrzunehmen. Eines der Grundübel verfehlter Stadtplanung wird allgemein in der fehlenden Gemeinsamkeit aller Beteiligten gesehen.

Schon an den Titeln der Beiträge mit Diskussionen lassen sich die unterschiedlichen Zugänge zur Thematik Stadtraum erkennen. Komplexität statt Reduktion (Stadttheorie). Stadtquartier statt Wohnsiedlung und Gewerbepark (Stadtgesellschaft). Stadtbürger als Gestalter statt anonymer Immobilienwirtschaft (Stadtpolitik). Städtebau statt Fachplanung (Stadtbild). Stadtstraßen statt Autoschneisen (Stadtverkehr). Gebautes Ensemble statt individualistischer Eventarchitektur (Stadtarchitektur). Einzelhandel statt Ketten (Stadtökonomie). Langfristige Stadtkultur statt kurzfristiger Funktionserfüllung (Stadtgeschichte). Denkmalpflege statt Branding (Stadtidentität). Nachhaltig bauen statt schnell verpacken (Städtische Umwelt).

Diese zehn Themenkreise sind am Ende der Publikation als „Zehn Grundsätze zur Stadtbaukunst heute“ kurz und prägnant zusammengefasst.

Das veranstaltende Institut verfolgt das Ziel, die in den letzten Jahrzehnten auseinander gedrifteten Disziplinen Architektur, Stadtplanung, Raumplanung Verkehrsplanung und Tiefbau wieder zusammenzuführen. Auch wenn speziell die städtebauliche Situation in Deutschland angesprochen wird, lässt sich die Problematik auf die meisten Städte Mitteleuropas übertragen. In diesem Sinne ist die Publikation für jeden, der sich mit Stadtbaukunst in Theorie oder Praxis auseinandersetzt, sehr empfehlenswert.

Dr. Wiltraud Resch


 

Owen Hopkins, Architektur - das Bildwörterbuch: Die wichtigsten Begriffe, Bautypen und Bauelemente, Paperback mit Klappenbroschur im Format 26,8 x 21,2 x 1,6 cm, 176 Seiten  mit 450 Abbildungen, davon 250 in Farbe, DVA Architektur, München 2012, ISBN: 978-3-421-03868-5, € 30,90

 

  Das Bildwörterbuch des Kunst- und Architekturhistorikers Owen Hopkins mag zwar nicht so ausführlich sein wie jenes von Koepf/Binding, jedoch besticht es mit seiner reichhaltigen Sammlung an erläuternden Fotografien und Abbildungen.

Der Hauptteil des Buches besteht in einer themenmäßigen Gliederung. In seinem ersten Kapitel geht der Autor auf die unterschiedlichen Bautypen wie Tempel, Kirchen, Villen bis hin zu Hochhäusern ein. Dann geht er weiter ins Detail indem er die unterschiedlichen Baukonstruktionen wie Säulen, Bögen aber auch Beton und Stahlkonstruktionen behandelt. Abschließend zeigt er die diversen Architekturelemente auf, wie Mauerwerk, Oberflächengestaltungen, Fenster-, Tür- und Dachformen, aber auch Treffen, Rolltreppen und Aufzüge.Eine klassische alphabetische Auflistung der Fachbegriffe mit ihren Erklärungen findet sich zusätzlich hinten im Glossar.

Insgesamt schafft es der Autor sehr gut dem Leser die unterschiedlichen Stile von der Antike bis zur Gegenwart näherzubringen.Dieses Buch dient, mit seiner klaren und sehr übersichtlichen Strukturierung,  Kunsthistorikern,Architekten und allen kunstgeschichtlich Interessierten als hervorragender Einstieg zur Beschreibung von Bauwerken sowie zum Verständnis der kunsthistorischen und architektonischen Fachliteratur.

Mag. Ute Hörmann


 

Pfammatter, Ulrich; Bauen im Kultur- und Klimawandel. Green traditions - clean future.
Paperback, 28,0x22,8cm, 412 S. über 1800 Abbildungen, vdf Hochschulverlag,  ISBN 978-3-7281-3395-3, € 74,- (D),  (85,00 CHF)

 

  Wie schon in seinem Buch „In die Zukunft gebaut“  nimmt sich Ulrich Pfammatter in seinem neuen Werk „Bauen im Kultur- und Klimawandel“ einem überaus aktuellen Thema mit einer reichhaltigen Fülle an Beispielen und Bildmaterial an. Es geht um die Frage, wie man Bauten dem ständigen kulturellen Wandel, den veränderten Umweltbedingungen bzw. den jeweils vor Ort vorhandenen ökonomischen Möglichkeiten anpassen kann.

Ausgehend von der Problemstellung, was einen ganz bestimmten Ort in einer Stadt oder Region so unverwechselbar  macht, geht er über zu der Frage ob so ein identitätsstiftender Ort auch bewusst erzeugt werden kann und wie dies durch die Adaptierung und Weiterentwicklung vorgefundener regionaler Bautechniken gelingen kann. Im Kapitel „Bauen in Extremsituationen“ geht es darum, wie man für Regionen, die immer wieder mit Gefahren und Katastrophen konfrontiert sind, bauliche Vorsorgestrategien entwickeln kann. Nicht allzu weit von dieser Thematik entfernt ist die Frage, was wir von älteren bzw. früheren Kulturen lernen können wenn es um Anpassungsstrategien auf extreme Umwelteinflüsse, wie Hitze oder Kälte geht und was wir uns davon, umgelegt auf die heutigen klimatischen und energetischen Anforderungen, abschauen können. Nach einem Abschnitt über natürliche Baustoffe und Entwicklungen in der Materialtechnologie, geht Ulrich Pfammatter darauf ein, was wir von der Natur an Ideen für die Baukultur der Zukunft direkt übernehmen können. Im letzten Kapitel geht es um den sensiblen Umgang mit den ihres ursprünglichen Zwecks verlustiert gegangenen Bauten unserer Industriekultur und wie man sie einem neuen Sinn zuführen kann.

Bei den erläuternden Beispielen greift er nicht nur auf aktuelle Bauten zurück, sondern auch auf teilweise nicht mehr vorhandene Konstruktionen der Vergangenheit, aber auch auf rein theoretisch gebliebene Baukonzepte.  Erläutert durch Konstruktionszeichnungen und Fotografien und mit Hinweisen zu weiterführender Literatur, hat man ein überaus gut verständliches Lehr- und Handbuch für jeden, der sich für dieses Thema interessiert, vor sich.

Mag. Ute Hörmann



 

Bundesamt für Kultur Hg.; Bärtschi, Hans-Peter, Bonnet, Charles; Cardani Vergani, Rossana, Gnehm, Hans Jürg, und viele weitere: Patrimonium. Denkmalpflege und archäologische Bauforschung in der Schweiz.
gebunden, deutsch/französisch/italienisch, 803 Seiten, gta Verlag 2010,  ISBN 978-3-85676-179-0. 
€ 62,- (90.00 CHF)
  Das vom Schweizer Bundesamt für Kultur herausgegebene Werk richtet sich sowohl an Fachleute der betreffenden Bereiche sowie an ein breites interessiertes Publikum.  Ziel war es, die zwischen 1950 und 2000 gültigen Kriterien und Beweggründe der Denkmalpflege und der archäologischen Bauforschung in der Schweiz aufzuzeigen und diese in ihrem kulturellen Kontext zu würdigen.

Es handelte sich hierbei um eine überaus bewegte Epoche, bedenkt man die enorme Bau- und Restaurierungstätigkeit nach dem zweiten Weltkrieg, das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) in dessen Zuge zahlreiche Liturgiebereiche in katholischen Sakralbauten umgestaltet wurden, oder auch die zahlreichen archäologischen Grabungen, die der Bau des Nationalstraßennetzes mit sich brachte. So wird es aber auch sehr gut nachvollziehbar wie sich im Laufe der Zeit auch die Motivik des Denkmalschutzes so nach und nach änderte.

Das Buch ist in zwei Hauptbereiche gegliedert. Der erste behandelt die Archäologische Bauforschung, während der zweite genauer auf die Denkmalpflege eingeht. Nach einem Rückblick auf die Geschichte der Denkmalpflege in der Schweiz, werden von namhaften Fachautorinnen und - autoren einzelne Spezialgebiete genauer behandelt, wie z.B. der ländliche Baubestand, Industriedenkmäler, historische Gartenanlagen, Glasmalerei oder auch die Orgel- und Glockendenkmalpflege. Mit den Beiträgen zu Öffentlichkeitsarbeit und Inventarisierung wird auch auf die Anforderungen der heutigen Zeit eingegangen. Abgeschlossen wird die Publikation mit einem Epilog von Werner Oechslin, der Ansätze einer nationalen Kulturpolitik gibt.

Das vorliegende Werk schafft es sehr gut die Denkmalpflege im Spannungsfeld zwischen der Bewahrung der Vergangenheit und den Bedürfnissen der Zukunft herauszuarbeiten. Das gesamte Werk wird durchgehend durch ein sehr reichhaltiges und gut erläuterndes Bildmaterial ergänzt. Die Fußnoten der einzelnen Beiträge liefern eine großen Fundus an weiterführender Literatur. Überaus interessant sind auch die im Anhang aufgelisteten für den Bereich der Denkmalpflege relevanten rechtlichen Grundlagen, wie Internationale Abkommen, Gesetze und Verordnungen.

Mag. Ute Hörmann



 

Ulrich Conrads und Peter Neitzke, Hg.; A.v. Buttlar, G. Dolff-Bonekämper, M. S. Falser, A. Hubel, G. Mörsch; Denkmalpflege statt Attrappenkult. Reihe Bauwelt Fundamente Nr. 146.
Taschenbuch, 218 Seiten, Verlag Birkhäuser 2011,  ISBN 978-3-0346-0705-6. 
€ 24,90 (D)
 

Die Reihe Bauwelt Fundamente ist Architektur- und Kunstinteressierten hinlänglich bekannt als Quelle hochqualifizierter Positionen zur Architektur und ihrer Geschichte.

Die Denkmalpflege als "Sonderfeld" der Architektur durchläuft im Moment eine problematische Phase: "Das historische Ambiente wird zwar geschätzt, doch wer kann schon sagen was wirklich historisch oder historisierend ist? Stimmt das Ambiente, stimmt der Preis." Gegen diese Tendenz stellen sich die Autorinnen und Autoren des Bandes 146 der Reihe Bauwelt Fundamente ganz entschieden und mit gewichtigen fachlichen Argumenten.

Denkmalschutz besteht nicht um historisierende Konsumräume (auch als Stadträume) zu schaffen, sondern der Denkmalschutz sichert gebaute Geschichte, Kultur und Kunst. Der Denkmalwert ist kein beliebig festlegbarer, auch wenn die Wertschätzung der Architektur vergangener Jahre schwankt. Der Wert steigt meist mit den Kenntnissen und dem Wissen über eine Epoche und: der Wert ist in jedem Fall gebunden an die Erhaltung der Originalsubstanz.

Forderungen nach Rekonstruktionen historischer Bauten wurden nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges aus gänzlich anderen Motiven formuliert, als das heute der Fall ist. Gesetze, die wie z.B. das Österreichische Denkmalschutzgesetz vorsehen, dass gegen das Gesetz zerstörte Denkmäler wiederaufgebaut werden müssen, beachten nicht, dass die größte Vernichtung nicht wieder gut zu machen ist: Ein zerstörtes Gebäude, das nur mehr als  Schutt vorhanden ist, kann nicht wieder aufgebaut werden, weil seine Substanz vernichtet ist. Solche Bestimmungen schwächen die Position des Denkmalschutzes, denn eine Rekonstruktion ist eben NICHT das Original, auch wenn der äußere Schein das vermitteln soll.

Michael S. Falser zitiert die wohl berühmteste Abhandlung zum Thema von Walter Benjamin (Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit...) und verdeutlicht damit die eindeutige Forderung der Denkmalpfleger, das Original zu erhalten - so es noch besteht.

Bezugnehmend auf die Aktualität des Themas (geplante Rekonstruktionen des Berliner Schlosses) sei die Lektüre sehr empfohlen!

GSL


©Ledl, ISG: Arch. Karl Hütter, Schneidergeschäft Naglergasse, Graz

 

Olah, Stefan, Hg.; Österreichische Architektur der fünfziger Jahre.
Gebunden, 160 Seiten, 150 großformatige farbige Abbildungen. Verlag Anton Pustet Salzburg, 2011,  ISBN 978-3-7075-0649-0. 
€ 29,00 (D)
 

Stefan Olahs Fotos der Architektur der Nachkriegsmoderne bringen beeindruckende architektonische Qualitäten zum Vorschein, und stellen eine unmittelbare Aufforderung zur intensiven Auseinandersetzung mit der Architektur der 50er Jahre dar!

Wie Bruno Maldoner in seinem Vorwort beschreibt, sind viele Aspekte der 50iger Jahre Architektur dem  "Anknüpfen an internationale Entwicklungen" nach dem Naziterror zuzuschreiben und nicht alle sind heute als gelungen zu betrachten. Aber auch wenn die großen internationalen Namen der Architektur in dieser Zeit nicht im politisch geteilten Österreich zu finden sind, so bestechen doch viele noch erhaltene Bauwerke aus der Zeit durch eine großartige Detailgenauigkeit.

Die vielen unterschiedlichen Beispiele von Kulturbauten, Industriebauten bis hin zu kleinen privaten Geschäften zeigen, dass die Denkmalpflege hier ein weites Feld zu bearbeiten hat - und in erster Linie rasch reagieren sollte, um die qualitätvollsten Bauwerke effizient vor Zerstörung zu schützen!

Für das ISG von besonderer Bedeutung ist das Schneidergeschäft von Architekt Karl Hütter in der Naglergasse in Graz! Architekt Hütter ist ein Gründungsmitglied des ISG und bis jetzt bei unseren Veranstaltungen aktiv. Er setzt sich massiv für eine qualitätsvollere Architektur im historischen Kontext ein und fordert einen objektiven Blick auf die Architekturgeschichte der Nachkriegsära! Die Fotos von Stefan Olah tragen dazu bei und zeigen eine Ästhetik, die heute unglaublich "leise" klingt aber viel Potential mitschwingen lässt!

GSL

 
Kullack, Tanja, Hg.; Architektur eine weibliche Profession, Jovis Verlag, 2011, 190 Seiten, 120 Farbabbildungen, ISBN 9783868591149,  € 28,-(D)
 

Architektur als weibliche Profession zu benennen ist eine mutige Aussage von Tanja Kullack und die Aussage trifft wohl nur in den Hörsälen der Ausbildungsstätten zu. Dort sitzen mitunter mehr Frauen als Männer in den Vorlesungen, Übungen und Seminaren.

So manche Lehrende wird belächelt, wenn sie auf die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten der Architekturstudentinnen im Studium und den späteren Arbeitsmöglichkeiten am freien Markt hinweist. Das Studium bietet heute zumeist neutrale Bedingungen; jüngere, aufgeschlossene UniversitätslehrerInnen sprechen über architektonische Qualitäten und nicht über Geschlechtszugehörigkeiten. Deshalb kommt die Warnung und Aufforderung sich schon während des Studiums um Praxisplätze zu bemühen - auch um solche, die mit der Baustellenpraxis verbunden sind und abseits des Zeichentisches stattfinden -  bei den jungen Studentinnen nicht so gut an.

Wie wenig selbstverständlich es ist, nach dem Studium als Frau in der Architektur erfolgreich zu sein, zeigen die dargestellten Lebensgeschichten von renommierten Architektinnen wie Barbara Bestor, Alison Brooks, Elke Delugan-Meissl, Regine Leibinger, Farshid Moussavi, Fuensanta Nieto und noch einigen mehr sehr eindrücklich! Der übereinstimmende Tenor: Als Frau muss man wesentlich mehr Engagement, Ausdauer und Wissen vorbringen um in der Architektur ernst genommen zu werden denn als Mann. Einmal auf der Erfolgsleiter nach oben geklettert merken die meisten erfolgreichen Architektinnen, dass dabei ihr Privatleben auf der Strecke geblieben ist. Wenn das Alter Nachwuchs noch zulässt, muss die Auszeit auf ein Minimum reduziert werden, sonst war die ganze Arbeit vergeblich.

Alle vorgestellten Architektinnen bestehen auf die Forderung, ihr Werk nicht von einem feministischen Standpunkt aus zu betrachten, sondern allein nach den Regeln der Architekturanalyse und Kritik zu beurteilen. Dies beweist in jedem Fall: guter Architektur ist kein Geschlecht eingeschrieben!
Trotzdem unterwerfen sich die Architektinnen denn von Männern bestimmten Regeln und Vorgaben des Bauens, ja mitunter müssen sie diese Regeln noch konsequenter umsetzen und verfolgen, um Erfolg zu haben. Es geht aber auch anders:
Die Grazer Architektinnen Elisabeth Lechner oder Irmgard Lusser haben sich den männlichen Strategien in der Architektur doppelt widersetzt: Sie haben neben vielen anderen Bauten in Graz bzw. in Linz einen "Frauenwohnbau" errichtet; Frauen reden bei den Grundrissen mit - deshalb gibt es großzügige Gemeinschaftsräume, die auch für private Zusammenkünfte genutzt werden können; Raumkonzepte sind offen und veränderbar gestaltet, Mietverträge erhalten nur Frauen! Schade, dass diese Form der weiblichen Profession in der Architektur hier nicht berücksichtigt wurde!

Trifft man die eingangs erwähnten Studentinnen nach einigen Jahren wieder so ist erstaunlich, wie viele bereits wenige Jahre nach Studiumsende ihre erlernte Profession verlassen haben. Welche Gründe sie anführen? Die Architektur ist mit Kind nicht vereinbar, technische Zeichnerin hätte ich auch ohne Studium werden können, entworfen wird von Männern, gebaut ebenso! Die obligate Frage nach der Baustellenpraxis die eine Anstellung möglich oder unmöglich macht, erübrigt sich damit!

GLS

 
Elisabeth Brenner; Schloss Rohr. Ein ehemaliges Wasserschloss in der Steiermark (Hg. Forschungsstelle Kunstgeschichte Steiermark), Leykam Verlag Graz, 2010, 183 Seiten, 124 Farbabbildungen, ISBN 978-3-7011-0204-4,  € 37,-(D)
 

Bereits seit 11 Jahren publiziert die Forschungsstelle Kunstgeschichte Steiermark neueste Ergebnisse zu Studien über steirisches Kulturgut. Der hier vorliegenden Publikation liegt eine Diplomarbeit zugrunde, die Elisabeth Brenner an der Karl-Franzens-Universität Graz bei Margit Stadlober verfasste.

Das in den Murauen des nördlichen Leibnitzer Feldes gelegene Schloss Rohr blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Im Mittelalter trug die Feste Rohr zur Sicherung des südlichen Zuganges nach Graz bei. In den Gefahrenzeiten des 15. und 16. Jahrhunderts war die von Wassergräben umgebene Talburg in das Kreidfeuersystem eingebunden und diente der Bevölkerung als Fluchtburg. 1651 erwarben die Zisterzienser der Zisterze Rein das Gut und bauten es in der Folge zu einem herrschaftlichen Schloss aus. Nach einer Glanzzeit, in der das Schloss 250 Jahre lang den Reiner Äbten als Sommerresidenz diente, begann ein kontinuierlicher Verfall. Im 20. Jahrhundert wurde die Anlage für landwirtschaftliche Zwecke genützt. Heute ist das Haus Wohnsitz einer Familie.

Parallel zur kunsthistorischen Dokumentation des Schlosses nahm die Autorin die Zusammenarbeit mit Bauforschung und Denkmalpflege auf. Als Erfolg ist bereits zu verbuchen, dass mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes und des Revitalisierungsfonds des Landes Steiermark erste Sanierungsmaßnahmen getätigt werden konnten. Die umfassende interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem vom Verfall bedrohten Objekt kann als Maßstab für weitere Arbeiten in dieser Richtung gelten.

Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse hat das Ziel, weiterhin das Bewusstsein für das Schloss zu wecken – ein Kulturerbe, dessen Erhaltung im öffentlichen Interesse sein sollte.

Dr. Wiltraud Resch

 
Hölz, Christoph; Hauser, Walter;
Weiterbauen am Land. Verlust und Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft in den Alpen.
Broschur, 232 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Studien Verlag, Innsbruck 2011,  ISBN 978-3-7065-5003-1. 
€ 19,90 (D,A, CHF 33,50)
 

Weiterbauen am Land zeigt den großen Verlust an ländlicher Baukultur in den Alpen, aufgewogen durch hervorragende Projekte, die in den letzten Jahren im ländlichen Alpenraum zwischen Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien entstanden sind. Weiterbauen....ein Begriff, der gerade für den ländlichen Kulturraum aktuell ist, wie auch das Buch von Albert Kirchengast (s.u.) bestätigt, beschreibt einen Wandel, vor dem niemand seine Augen verschließen kann.

Das von Christoph Hölz und Walter Hauser verfasste Buch zu den Veränderungen der ländlichen Kulturlandschaft und Baukultur in den Alpen besticht besonders durch seine hervorragende fotografische Dokumentation. Die einleitenden Essays zeichnen die Problematik eines Wandels nach, der nicht nur mehr in den Augen professioneller Architekturbetrachter und Kulturliebhaber von einer tiefgreifenden "Zerstörung" historischer Baukultur spricht, sondern gleichzeitig von einem Unverständnis und einer Unbedachtheit zeitgenössischer Baukultur gegenüber!

Die Autoren haben in einzelnen Kapiteln sowohl Funktionsänderungen ländlicher Baudenkmäler dokumentiert, sowie die jeweilige Position des Bauherrn berücksichtigt. So unterscheiden sie, ob ein Stall nach dem Umbau noch Stall bleibt, oder für eine gänzlich neue Funktion - z.B. eine touristische - genutzt wird; sie unterscheiden aber auch, ob ein Bauer ein historisches Haus erneuert, oder ob ein Städter sich seinen "Traum vom Haus am Land" erfüllen möchte und diese Idee in der Übernahme eines historischen Hauses realisiert.

Die Autoren zeigen in beeindruckenden Dokumentationen Kleinode von großem Wert, die in den letzten Jahren gerettet werden konnten und demonstrieren, dass der "Verkauf" eines historischen und viel. schon lange leer stehenden Gebäudes nicht dessen Ende, sondern ein Neuanfang für einen ganzen Ort sein kann. Nichts ist überzeugender, als ein gutes architektonisches Vorbild!

GSL

 

 
Pechlaner, Harald; Schön, Silvia, Hg.; Regionale Baukultur als Erfolgsfaktor im Tourismus. Nachhaltige Vermarktung von Destinationen; Broschur, 136 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2010,  ISBN 978-3-503-12430-5. 
€ 36,- (A), € 34,95 (D), ( CHF 45,-)
 

 

Baukultur als Bedeutungsträger für die Identität einer Region ist mitentscheidend für den erfolgreichen Tourismus einer solchen. Das hat nicht zuletzt auch das ISG Symposium 2011 zum Thema "Denkmalpflege/Baukultur - Tourismus" gezeigt und findet sich in ähnlich gelagerten Projekten, die in der Publikation vorgestellt werden.

Dem Wert des "Regionalen" - sei es beim Wohnen, der Landschaft, dem Essen - wird seit einigen Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Im Zuge der Globalisierung wird plötzlich zum "Besonderen" was Jahrzehnte lang das Althergebrachte war, das als altmodisch und gewöhnlich galt.

Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die regionale Architektur, denn Sie ist wohl der landschaftsprägendste Teil. Erst seit einigen Jahren wird wahrgenommen, dass die Veränderungen der Landwirtschaftsstrukturen große Landstriche umgestalten und damit bekannte und tradierte Bilder von Kulturlandschaft verloren gehen oder verändert werden.

Das Potential für eine positive Entwicklung und touristische Vermarktung liegt in beiden Elementen: im Erhalten des wertvollen Alten und im Weiterentwickeln und z.T. neu bauen! Wie stark historische Räume wirken können, die revitalisiert und erneuert wurden, ist oftmals besonders für die Besitzer von lange Zeit leer stehenden landwirtschaftlichen Gebäuden überraschend. Dort, wo nur mehr historische Teile erhalten sind, oder deren Erhaltung nicht mehr möglich ist, sollte zeitgenössische Architektur positioniert werden, die sensibel mit der Kulturlandschaft und den regionalen Bautraditionen arbeitet;  das zeigt v.a. Elisa Innerhofer in ihrem Essay zur Rolle von Architektur und Design im Tourismus der ländlichen Kulturlandschaft. So kann das historisierende Nachbauen tradierter Strukturen oder Gebäude nicht erfolgversprechend sein, sondern dort, wo Altes verloren ist, sollte mit Neuinterpretationen der traditionellen Kultur gearbeitet werden und so die regionale Identität weitergeformt werden!

Die verschiedenen Erfolgsmodelle, die in der Publikation vorgestellt werden zeigen, dass Baukultur ein wandelbarer Begriff ist, dessen Bedeutung v.a. im Tourismus viel größer werden muss!

GSL
 

 
Christoph Mäcker, Wolfgang Sonne, Hg. ( Deutsches Institut für Stadtbaukunst): Dortmunder Vorträge zur Stadtbaukunst Band 3. Format 21 x 25 cm, 88 Seiten, zahlreiche Schwarzweiß-Abbildungen. Verlag Niggli AG, Sulgen/Zürich 2010. Softcover  ISBN 978-3-7212-0750-7.    € 19,50 (D)
  Das Deutsche Institut für Stadtbaukunst widmet sich der Erforschung und Lehre der Kunst des Städtebaus und knüpft damit an den jungen Urbanismus des frühen 20. Jahrhunderts an. Das Institut hat sich zum Ziel gesetzt, die in den letzten Jahrzehnten auseinandergedrifteten Disziplinen Architektur, Stadtplanung, Raumplanung, Verkehrsplanung und Tiefbau wieder zusammenführen. Die vorliegende dritte Publikation des Institutes beinhaltet sechs Vorträge, die am 11. Dezember 2009 an der TU Dortmund gehalten wurden.

Eingangs gibt der Kunsthistoriker Jörn Düwel in seinem Beitrag „Die Sehnsucht nach Ordnung in der Stadt“ einen Überblick zur Ideengeschichte des Städtebaus im 20. Jahrhundert in Deutschland. Er geht vor allem auf die Träume der Nachkriegsgeneration ein, die es als einmalige, nie wiederkehrende Chance sah, auf den Trümmern der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Altstädte gesunde neue Städte zu errichten.

Walter Siebel stellt die Frage „Was kann Urbanität heute bedeuten?“ und kommt zu dem Schluss, dass Urbanität auf Spannungsverhältnissen beruht – die europäische Stadt hat zwei mythische Gründungsväter: Hippodamos, den Erfinder des rationalistischen Straßenrasters von Milet und Dädalos, der das Labyrinth von Knossos erbaut hat.

Als stadtplanender Philosoph untersucht Michael Mehaffy in seinem Beitrag „What is Sustainable Urbanism? An Introduction to Concepts, Metrics und Strategies“ das breite Feld städtebaulicher Nachhaltigkeit.

„Das private Projekt Stadt“, ein Beitrag des Projektentwicklers und Bauträgers Klaus Groth, beschäftigt sich mit der Rolle des Unternehmers bei der Gestaltung von Stadtquartieren. Während sich ursprünglich öffentliche Hand und private Bauträger als Pole in einem Spannungsfeld gegenüberstanden, haben sich beide nach einem langwierigen Prozess aufeinander zu bewegt.

Im Beitrag „Schöne Städte“ stellt sich Ludger Wilde den Herausforderungen der Praxis am Beispiel der Stadt Dortmund und berichtet unter anderem über den Gestaltungsbeirat als Qualitätssicherungsinstrument.

Abschließend legt Vittorio Magnago Lampugnani, Professor für Geschichte des Städtebaus in Zürich und Leiter eines Architekturbüros in Mailand, in seinem Beitrag „Erhalten, entrümpeln, verdichten“, die drei entscheidenden Aufgaben für die europäische Stadt des 21. Jahrhunderts dar.

Die aus unterschiedlichen Blickrichtungen zusammengesetzten Beiträge zeigen Chancen und Gefahren für die Stadt auf: „Die städtische Stadt wird bewahrt, indem an ihr weitergearbeitet wird“ (S.83). Auch wenn konkrete städtebauliche Situationen angesprochen sind, lässt sich die Problematik auf die meisten Städte übertragen. In diesem Sinne ist die Publikation für jeden, der sich mit Stadtbaukunst in Theorie oder Praxis auseinandersetzt, empfehlenswert.

Dr. Wiltraud Resch


Edward Hollis: Kurze Geschichte des Abendlandes in 12 Bauwerken.
Format 14 x 22 cm, 399 Seiten, 13 Schwarzweiß-Abbildungen. Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2010. Hardcover  ISBN 978-3-550-08815-5.    € 22,95 (Die Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel „The Secret Lives Of Buildings“ bei Portobello Books Ltd. London)
  Das 1840 entstandene Gemälde „Der Traum des Architekten“ mit einem idealisierenden Gefüge aus ägyptischen, griechischen und gotischen Bauwerken dient als Ausgangspunkt und roter Faden für das Buch. Der Autor Edward Hollis, ein in Edingburgh lehrender Architekt, möchte zeigen, dass die Geschichte der Architektur nichts mit diesen makellosen, von jeglichem Wandel unberührten Bauwerken der Vergangenheit zu tun hat. Die großen Bauwerke währen viel länger als die Zwecke, für die sie erbaut wurden. Sie müssen zahllose Verstümmelungen, Ergänzungen, Teilungen über sich ergehen lassen und es dauert nie lange, bis ihre Formen und ihre Funktionen nur noch wenig miteinander zu tun haben.

Schon am ersten Beispiel, dem Parthenon in Athen, wird deutlich, dass das Bauwerk unzählige Male erobert, zerstört und überformt wurde und dennoch bis heute für ein Ideal an Schönheit und Weisheit steht. Der folgende Bogen spannt sich von der Basilika San Marco in Venedig über die Ayasofya in Istanbul, das Heilige Haus in Loreto, die Kathedrale von Cloucester, den Tempio Malatestiano in Rimini, Sancouci in Potsdam, Nortre Dame in Paris, The Hulme Crescents in Manchester bis zur Berliner Mauer. Der Wandel der Bauwerke ist untrennbar mit ihren Besitzern verbunden. Mit jeder Veränderung wird das Bauwerk „neu erzählt“. So wurde die Ayasofia als byzantinische Hagia Sophia erbaut, nach Erdbeben erneuert, später in eine Moschee und zuletzt in ein Museum umgewandelt. Die Berliner Mauer wurde abgebrochen und lebt doch in unzähligen, über die ganze Welt verstreuten Steinen als Souvenir weiter. Dass Wandlung gut und richtig ist, weist der Autor in einem Schlusskapitel über Venedig in Las Vegas nach, das von Jahreszeiten und Überschwemmungen befreit, immer in eine romantische Abendstimmung getaucht wird.

Das Buch ist flüssig und leicht lesbar geschrieben. Es erfordert keine fachlichen Vorkenntnisse. Ausgezeichnete Recherchen und Hintergrundinformationen, gewürzt mit einer Prise englischen Humors, machen die Lektüre aber auch für geschulte Architekturkenner zu einem Genuss und stimmen nachdenklich über das in einschlägigen Fachbüchern völlig steril wiedergegebene Bild historischer Bauwerke.

Dr. Wiltraud Resch



Burghauptmannschaft Österreich (Hrsg.) Benedikt Sauer, Hofburg Innsbruck
Franz. Broschur im Format 16,6 x 25 cm, 128 Seiten mit ca. 100 Abbildungen in Farbe, deutsch/englisch/italienisch/französisch, Bibliographie, Chronologie, 1. Auflage, Folio Verlag, Wien/Bozen 2010, ISBN 978-3-85256-536-1, € [D/A] 12,90 / € [I] 12,20 / sFr 20,50
  Mit dem vorliegenden Band erscheint ein umfassendes Werk über die Geschichte und die Bedeutung der ehemaligen Residenz Kaiser Maximilians. Die Hofburg in Innsbruck ist neben Schloss Schönbrunn und der Hofburg in Wien die dritte bedeutende Habsburgerresidenz und zählt zu den kulturhistorisch wichtigsten Bauten Österreichs und des Alpenraumes. Über 500 Jahre war sie die Burg der Habsburger, für deren heutige Ausdehnung Kaiser Maximilan sorgte und ihr heutiges Aussehen ist sehr stark geprägt von der barocken Ausgestaltung unter Maria Theresia.

Der Autor – Literaturwissenschaftler, Publizist, Journalist und Kolumnist – spannt mit diesem Band einen Bogen von den Anfängen der Hofburg unter Kaiser Maximilian über die barocke Umgestaltung unter Maria Thersia - wobei das Bildprogramm in den Prunkräumen, vor allem im Riesensaal verändert wurde, indem die Monarchin die eigene kinderreiche Familie in den Mittelpunkt stellt und ihre Herrschaft nicht nur durch das dynastische Erbe legitimiert - bis zur Ausstattung des Kaiserin-Elisabeth-Appartments im Stile des Zweiten Rokoko und zur Einführung eines regelmäßigen Museumsbetriebes im 20.Jahrhundert.

Die Hofburg Innsbruck erstrahlt seit 2010 in einem neuen Glanz und präsentiert die Raumensembles in ihrer Originalausstattung, die einen guten Einblick in die Vergangenheit der Burg gibt. Politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen vergangener Jahrhunderte lassen sich anhand ihrer Gestaltung sehr gut nachvollziehen. Dieser Band soll das Verstehen historischer Ereignisse und Begebenheiten ergänzen.

Sehr gut zu lesen und mit Bildern belegt präsentiert sich die Geschichte der Hofbug als spannende und informative Lektüre, die sich nicht nur an Experten sondern auch an geschichtlich interessierte Personen richtet.

Dr. Karin Enzinger


Österreichische Baukulturstiftung  (Hrsg.), Albert Kirchengast; Weiterbauen - für eine besondere Baukultur.

Leinen im Format  22,3 x 23,0 cm, 270 S., Verlag Raum.Kunst.Graz,, ISBN 978-3-9502351-4-2, € [D/A] 29,-

 

 

 

Rezension erstveröffentlicht auf GAT!

  Weiterbauen! Weiterbauen. Weiterbauen? Ein Buch über die Steiermark zu schreiben und dabei keine Schablonen zu verwenden, ist schon eine Kunst. Herbert Achternbusch hat einmal gesagt, „Heimat“ kommt von „Hemad“, also Hemd, und so solle sie auch sein, nicht zu eng und nicht zu weit. Albert Kirchengast legt ein Buch vor wie ein Hemad, das genau passt. Es handelt von bemerkenswerten Häusern oder Bauten, die sich durch längere Zeiten, also mehrere Jahrhunderte, durchgewurschtelt haben und noch immer stehen, was ja sowieso ein Wunder ist. Es handelt von der Beiläufigkeit, die sie erhalten hat, von Umständen, von ganz kritischen Momenten, Zufällen, von der Liebe der Bewohner zu ihren Behausungen. Von kritischen Geistern, die sich etwas abgerungen haben, Geld zum Beispiel und Mühe, um ein Objekt zu erhalten und für unsere Zeit bewohnbar zu machen. Vom Wahl haben und keine Wahl haben. Das Spannende ist, dass die Bewohner, die Steirer, wer immer die sind, ihre Geschichten erzählen. Diese Geschichten sind sehr gut recherchiert, der Herausgeber Albert Kirchengast war neugierig und sorgfältig, das liest man heraus. Er ist aus Feldbach, hat in Graz Architektur studiert und ist seit 2008 Assistent an der ETH Zürich.

„Momentan gibt es noch Reste des Baubestandes, um den das Buch kreist.“, schreibt er. „Aber in Gebieten großen Siedlungsdrucks ist er längst gefährdet (…).“ Das Buch zieht aber viel weitere als diese Kreise, nämlich geschichtliche, industrielle; territoriale, beispielsweise mit der konzisen Beschreibung der Region südlich von Graz: „Allein in dieser Gemeinde gibt es ein Betonwerk, Asphaltwerk, Abfallverwerter, Mähdrescher- und Traktorenhandel und –Werkstätte, Autohändler, KFZ-Werkstätte, die Südautobahn läuft durch, die Pyhrnautobahn kommt zweispurig, nun kommt die Koralmbahn, die 380 KV-Leitung – jetzt soll dieses Stahllogistik-Center angesiedelt werden (…)“, erzählt eine Bewohnerin und Besitzerin eines renovierten Althauses in Wildon. Ist diese Darstellung oder dieser Blick nicht ein Hammer? Das Buch zieht ethnologische Kreise und handwerkliche, beispielsweise über die Kalkbrenner und den antibakteriellen Kalkputz in den Häusern; dann Nazikreise insofern, als es die Geschichte der Grazer Villa Oser in der Johann-Fux-Gasse aufrollt, die dem Grazer Nobelpreisträger Otto Loewi gehörte, den man bis Mai 1938 im Polizeigefängnis einsperrte und dann mit Berufsverbot belegte. Dem man sein Nobelpreisgeld wegnahm und die Villa und überhaupt alles, weil er Sondersteuern zahlen musste, „beispielsweise die Reichsfluchtsteuer und die sogenannte Judenvermögensabgabe“, wie in dem Buch steht.

Die Kirchenkreise nicht zu vergessen, die Schlosskreise, die Literaturkreise, die Arbeiter- und Bauernkreise in der Obersteiermark. Das ergibt 28 ausgewählte exemplarische, genau analysierte und beschriebene Beispiele für erhaltene Bauten mit diversen Nutzungen, die sich bisweilen so auflösen „Das Äußere des Gebäudes ist fast gleich geblieben, aber die Einteilung der Räume wurde stark verändert (…). Wir haben damals zwei Zimmer gehabt mit ca. 36 Quadratmetern. (…) Ich kann gar nicht sagen, warum ich mein Leben hier eigentlich nicht beschließen wollte (…)“ (Die 86-jährige Aurelia S. über ihr Leben im „Prinzenhaus“, einem Senioren-Pflegezentrum in Vordernberg, in dem sie auch ihre Jugend verbracht hat.)
Mit seinem neuen Buch La carte et le territoire( Landkarte und Territorium - Prix Goncourt 2010) rückt Michel Houellebecq den ländlichen und auch den Stadtraum in mehrere Perspektiven: Er lässt seinen Haupthelden Landkarten fotografieren, die der stofflich sehr geschickt mit der Urbanität zunächst verwebt und dann wieder herauslöst; er beschäftigt sich mit der Rezeption und Reinterpretation des ländlichen Raums und der Region durch Fernsehen und durch den Tourismus, mit der Rahmung und Umformulierung durch die Medien bis in eine nachindustrielle Zeit hinein.
Kirchengasts stellt mit seinem Buch eine ähnliche Entwicklung dar, weniger literarisch zwar, aber die Art und Weise, wie er aus der Vergangenheit eine mögliche Zukunft schafft, der Rückgriff auf Geschichten und Bilder, ist sehr ähnlich – ganz abgesehen davon, dass er sehr ästhetisch und vorsichtig vorgeht. An einer Stelle beschreibt Houellebecq den ländlichen Raum, den Naturraum, als „subtile, komplexe, sich verändernde Mischung aus Wiesen, Feldern, Wald und Dörfern“, der gerecht zu werden schwierig sei – Kirchengast ist das gelungen.

Maria Nievoll


Karl A. Kubinzky, Historisches aus Graz.

2010, 264 Seiten., zahlreiche Abbildungen, Broschur, 24,0 x 16,8 cm, Leykam Verlag, ISBN: 978-3-7011-7694-6, € 24,20.
  Er ist eine Grazer Institution! Wer sich über die Geschichte der Stadt Graz in Text und Bild informieren möchte, kommt an seinen Werken nicht vorbei; wer zur Geschichte von Graz forschen möchte, kommt ohne sein Archiv und sein Wissen nicht aus: Univ.Prof. Dr. Karl Albrecht Kubinzky.

Seit vielen Jahren teilt Karl A. Kubinzky sein reiches Wissen mit den Leserinnen und Lesern der steirischen Zeitungslandschaft. Beinahe wöchentlich beschreibt er historische Stadtaufnahmen, begibt sich anlässlich aktueller Bauvorhaben auf die Suche nach der Geschichte eines Ortes und schafft eines immer ganz besonders: Spannende Schilderungen der Grazer Geschichte in allgemein verständliche Worte zu fassen!

Der Sammelband "Historisches aus Graz" stellt nun einen Querschnitt aus diesen Beiträgen (erschienen im BIG=BürgerInneninformation Graz) dar, die vom Stadtrand bis ins Herz des Welterbes Altstadt Graz reichen und somit geographisch wie historisch interessante Momentaufnahmen zu einem Bild formieren. Skurrilitäten, tragische Momente mit großen Auswirkungen, alltägliches und vieles mehr findet sich in den Geschichten Kubinzkys.

Interessant: Auf Seite 262 verweist der Autor auf öffentliche Einrichtungen (Archive, Bibliotheken etc) für Graz-Interessierte und gibt Literaturtipps zur Grazer Stadtgeschichte!

Ein kurzweiliges, interessantes und informatives Lesevergnügen!

 

GSL

     


Günther Witzany (Hg.), Zukunftsfähige Stadt- und Verkehrsplanung. Wieviel Kohr braucht die City? Internationale Fachtagung der Leopold-Kohr-Akademie. Softcover im Format 14.8 x 21 cm, 128 Seiten mit 60 mehrfarbigen Fotos und Grafiken, Verlag Books on Demand GmbH, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-7593-4, € 20,40.
 

Anlass für Tagung und Publikation war der 100. Geburtstag des bekannten Philosophen Leopold Kohr, der 1909 in Oberndorf bei Salzburg zur Welt kam und 1994 in Gloucester in England verstarb. Kohr hatte sich bereits sehr früh grundsätzlich mit Fragen von Stadt- und Verkehrsplanung auseinandergesetzt. Seine Thesen sollten auf ihren Nutzen für die Lösung heutiger Probleme untersucht werden.

Durch die Heraushebung der Verkehrsplanung aus der Stadtplanung verrät bereits der Titel des Buches eine starke Betonung der Verkehrsfragen in Hinblick auf Stadtplanung. Und tatsächlich ist Verkehrsplanung das Rückgrat der Stadtplanung. Die acht Beiträge der Autoren Günther Witzany, Hermann Knoflacher, Andreas Feldtkeller, Fritz Kobi, Heinz Kloss, Raimund Gutmann und Erik Schnaitl wollen zeigen, dass die Lösung vieler wesentlicher Probleme der Stadtplanung in der Festlegung des richtigen Maßstabes liegt. Es geht um die Massstäbe von städtischen Einheiten, von Gebäuden aber auch von Geschwindigkeit etc.; es geht um den Platzbedarf von Menschen im Ruhezustand und in Bewegung. Immer wieder wird der Zweck von Stadt hinterfragt. Hierbei ziehen sich die Thesen des Philosophen Kohr wie ein roter Leitfaden durch die Beiträge.

Das Buch ist nicht zu umfangreich, gut lesbar geschrieben und manchmal fast etwas plakativ aufgemacht – was angesichts der vorgefassten Meinungen vieler Stadtplaner aber sicher notwendig ist. Es richtet sich an Experten für Stadt- und Verkehrplanung von Städten und Dörfern aller Größenordnungen.

Dr. Hasso Hohmann
 


Die Redaktion dankt dem langjährigen ISG-Mitglied Dr. Günther Witzany für die Übersendung des Buches!



 

Hsg.: Österreichisches Bundesdenkmalamt, Lehne Andreas; Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege,

Heft 1/2 2010, 224 S., zahlreiche farbige Abbildungen, kartoniert
Berger Verlag Horn/Wien, ISSN AUT 0029-9626
  Den Themenschwerpunkt dieser Ausgabe der ÖZKD bildet die Wiener Stadt- und Burgbefestigung. Vom 30. November bis 1.Dezember 2009 veranstaltete die Kommission für Kunstgeschichte der österreichischen Akademie der Wissenschaften eine Tagung zum Thema „Die Wiener Burgbefestigung“. Den Anlass dazu bot der 200. Jahrestag der Sprengung dieser Anlagen durch französisches Militär im Jahre 1809. Diese Tagung liegt der vorliegenden Publikation zugrunde, wurde jedoch durch Beiträge verschiedener Disziplinen ergänzt. Dadurch wird ein prima vista militärhistorisches Thema auch aus bauarchäologischem, kunsthistorischem  und kulturwissenschaftlichem Blickwinkel beleuchtet.

18 Einzelabhandlungen spannen den Bogen von der Hofburg als Festung über die verschiedenen Stufen der Wiener Stadtbefestigungsanlagen bis zu deren gärtnerischer Umgestaltung als „Modepromenaden“ und Ort der Erholung für die Bevölkerung. Nach einer Dokumentation über die Planungen für Ringstraße und Kaiserforen anstelle der geschliffenen Befestigungsanlagen schließt der Bogen mit einem Blick auf rekonstruierte Stadtmauern und Basteien in Historienfilmen.

Der Beitrag zur Grazer Stadtbefestigungsanlange bringt für den interessierten Leser leider keine neuen Erkenntnisse und keinen Vergleich zur Wiener Befestigungsanlage.

Umfangreiche Beigaben an historischen Plänen und Zeichnungen sowie Bilder der Abbruchsarbeiten aus der Frühzeit der Fotografie und ein Glossar zur Befestigungstechnik runden diese umfassende Publikation ab.

Die breit gestreute Darstellung und Dokumentation der Wiener Stadtbefestigung bis zu deren völligem Verschwinden im Stadtbild geht weit über die rein militärische Bedeutung dieser Anlagen hinaus und wird jeden Leser ansprechen, der sich für Stadttopograpie im weiteren Sinne interessiert.

Dr. Wiltraud Resch

 



Markus Landerer, Claus Suess, Robert Schediwy. Wiener Wahrzeichen. Verschwunden, entstellt, bedroht.
Broschüre im Format I, Ill. ; 21 cm,  174 S., Wien ; Berlin ; Münster : Lit-Verlag 2010,  978-3-643-50112-7,
 € 9,90.

 
 

Jeder der mit offenen Augen durch das historische Zentrum von Wien wandert, wird beunruhigende Entwicklungen wahrnehmen. Massive Dachausbauten, die Aufstockungen gleichkommen oder die Entkernung alter Gebäude lassen sich auf einen allgegenwärtigen ökonomischen Verwertungsdruck zurückführen. Während dies unter dem Hinweis, dass eine Stadt eben kein Museum ist, für manche kein Problem darstellt, zeigen sich andere besorgt, dass die Wiener Altstadt langsam die Substanz ihrer Einzigartigkeit verliert.

Ein profundes Autorenteam führt durch die Geschichte und Gegenwart der Wiener Stadtbildveränderungen. Robert Schediwy, der bereits ein erfolgreiches Buch über die Stadtbildverluste seit 1945 herausgebracht hat, vermittelt in seinem umfangreichen Beitrag eine historisch-kritische Übersicht über den Wandel in Wien. Ausgehend von den großen städtischen Umstrukturierungen im 19. Jahrhundert, den Wiederaufbauten nach dem Krieg und der Wirtschaftswunderzeit analysiert er die Gegenwartssituation. Hier zeigt sich, dass die für die 70-er Jahre charakteristische Besinnung auf Altstadterhaltung und Grün nur von kurzer Dauer war. Danach fasst Claus Süss kurz und präzise das immer schon heiß umstrittene Thema der Altstadterhaltung in seinen wesentlichen Aspekten zusammen. Markus Landerer befasst sich abschließend mit dem gefährdeten Welterbe von Wien. Anhand von Fallbeispielen zeigt er den enormen Bebauungsdruck der Wiener Innenstadt auf, der einer illegalen Bautätigkeit, Entkernungen und einem Wildwuchs an Dachausbauten Tür und Tor öffnet. Interessant zeigt sich auch, dass die zur Zeit des Wirtschaftswunders errichteten uniformen Bauten, die anstelle abgebrochener Palaisbauten errichtet wurden, heute schon sanierungsbedürftige Problemfälle darstellen.

In leicht verständlicher Sprache geschrieben und mit reichlichem Bildmaterial ergänzt richten sich die Beiträge nicht nur an Experten sondern auch an fachlich interessierte Laien. Da sich die in Wien aufgezeigte und analysierte Problematik in allen historischen Stadtkernen wieder findet, ist das Buch sicher nicht nur für Wien-Liebhaber von großem Interesse.

Dr. Wiltraud Resch

Foto Rezension

Barbara Kaiser, Schloss Eggenberg, Landesmuseum Joanneum

Format 22 x 28 cm, 296 Seiten mit 289 Abbildungen. Herausgeber Landesmuseum Joanneum, Schloss Eggenberg. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2006.Softcover:ISBN 3-85033-024-9, Hardcover:ISBN 3-902510-96-X. € 49,- (A)

 

In einer historischen Umbruchszeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichtete Hans Ulrich von Eggenberg sein zu den bedeutendsten Monumentalbauten Österreichs zählendes Schloss. „Das Haus ist als riesiges Gleichnis erbaut, ein symbolisches Abbild des Universums, in dem der gelehrte Bauherr seine Vorstellung einer geordneten Welt in einer Epoche von Chaos und Auflösung formuliert“, stellt die Autorin und profundeste Kennerin des Schlosses, Barbara Kaiser, schon im Vorwort fest. Erstmals wird das in Einzelpublikationen verstreute Wissen um Gebäude, Ausstattung, Gärten, Auftraggeber und Künstler in einer großen Publikation zusammengefasst, wobei Erkenntnisse aus Forschung und umfangreichen Restaurierungen der letzten Jahrzehnte einfließen.

Aufstieg und jähes Ende der fürstlichen Bauherrenfamilie, Baugeschichte und Programm der Architektur werden ebenso wie spätere Veränderungen ausführlich dargelegt. Den größten Teil des Buches nimmt der Zyklus von ca. 600 Deckengemälden ein, in dem der so genannte „Planetensaal“ den Mittelpunkt bildet. Auch für Laien verständlich, wird das gesamte Bildprogramm mit seiner sinnbildlichen Familienmythologie, Zahlensymbolik und Deutung der Himmelsmechanik erschlossen.

Einleitend findet sich ein Beitrag von Ulrich Becker über die gotische, vom Vorgängerbau übernommene Hauskapelle mit kunsthistorischer Würdigung des Flügelalters von 1470. Zum Ausklang wird auch die Geschichte der Grünanlagen - vom barocken Garten, über den Englischen Landschaftspark bis zur Neuanlegung des Planetengartens von 2004 - dokumentiert.

Die prachtvoll und umfangreich bebilderte Monographie dieses außergewöhnlichen Schlosses erfüllt ein seit langem bestehendes Desideratum.  Hervorzuheben ist, dass das Fachpublikum genauso angesprochen wird wie der einfach am Schloss interessierte Besucher.

Dr. Wiltraud Resch